Die Wasserrute



Die Wasserrute…


… unerkannt, unbekannt und doch nicht selten



Hier möchte ich über eine Erkrankung berichten, die oft selbst erfahrenen Hundebesitzern unbekannt ist, darum meistens gar nicht richtig erkannt wird und  dabei eine äußerst schmerzhafte Erkrankung des Tieres ist. Selbst Tierärzte kennen, oder erkennen eine Wasserrute leider nicht immer.



Die Wasserrute, oder auch „cold tail syndrome“, „Hammelschwanz“ oder „limber tail syndrome“ genannt, ist eine akute Erkrankung vorrangig der Arbeitsrassen wie z.B. Jagdhunde, Hütehunde etc. und ist unter Labradoren nicht wirklich selten zu finden. Auch wenn der Name dies vermuten ließe, so hat die Wasserrute im Grunde eigentlich nichts, oder nur peripher mit Wasser zu tun.


Die Krankheit ist bis heute nicht wirklich gut erforscht und -wie eingangs erwähnt- oft sogar Tierärzten nur rudimentär bekannt. Die Vielfältigkeit der Krankheitsbezeichnungen zeigt aber auch, wie wirklich schlecht es um das Wissen und die Erkenntnisse  zu dieser Erkrankung bestellt ist. Allerdings ist es dennoch gelungen, die betroffenen Tiere medizinisch so zu versorgen, dass eine komplikationslose Ausheilung innerhalb eines Zeitraumes von ca. 14 Tagen möglich ist.



Wie erkennen wir die Krankheit bei unserem Hund?



So vielfältig die Bezeichnungen sind, so vielfältig sind auch die Symptome des Tieres. Prägnant ist dabei eine auffallende Schmerzhaftigkeit im Bereich des Rutenansatzes, wobei der Hund den oberen Teil der Rute abstellt und die unteren beiden Drittel schlaff nach unten fallen (Hammelschwanz). Oft kann man erkennen, dass die Haare an der Unterseite der Rute gesträubt werden und der Hund auffällige Probleme beim Absetzen von Kot zeigt. Beim Sitzen wird eine Welpenhaltung eingenommen, bei der der Hund sich so setzt, dass er „seitlich“ auf einer Hälfte des Hinterteils zu sitzen scheint. Auffallend ist auch, dass das Tier aus dem Schmerz heraus ungewohnt aggressiv im Verhalten sein kann.



Was passiert bei einer Wasserrute?



Aus momentaner medizinischer Sicht scheint es so zu sein, dass obere Teile der Rutenmuskulatur am Ansatz nicht, oder kurzfristig nicht genügend durchblutet werden. Ebenfalls kann es sich um eine Stauchung der Rutenwirbelgelenke handeln. Durch Überbelastung entsteht eine Entzündung zwischen den Rutenwirbelgelenken. Auch ein Muskelschaden kann dabei nicht ausgeschlossen werden. Aber da die Krankheit definitiv nicht gut erforscht ist, lassen sich die Krankheitsursachen vermutlich nur unzulänglich definieren.



Wie kommt es zu der Erkrankung?



Auffällig ist, dass vorrangig die Hunderassen betroffen scheinen, die viel „arbeiten“. Jagdhunde, Rettungshunde, Hütehunde etc.! Es ist also eine Kausalität zwischen Betätigung und Erkrankung deutlich erkennbar. Tatsächlich wird derzeit aber auch untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der „Wedelfreudigkeit“ und der Erkrankung gibt und ob Hunderassen mit sehr hoch angesetzter Rute  prädestinierter für eine  Erkrankung sind.


Fakt ist inzwischen jedoch, dass ein zu langes Verweilen in einer zu kleinen Box zu einer Wasserrute führen kann, auch wenn das eher Einzelfälle sind. Hat ein Tier nicht alle zwei Stunden die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und sich „die Beine zu vertreten“, besteht ein Zusammenhang zwischen der Bewegungslosigkeit innerhalb der Box und dem Auslösen einer Wasserrute.

In der Mehrzahl sind jedoch Hunde betroffen, die eher „hart“ arbeiten und das, ohne gut trainiert zu sein. Die Hunde sind dabei in einem Alter von etwa einem halben Jahr und neun Jahren alt. Am häufigsten erkranken jedoch Hunde im Alter von zwei Jahren und dabei Rüden mehr, als Hündinnen.


Nach ausdauernder Betätigung kann schwimmen im zu kalten Wasser die Krankheit definitiv begünstigen. Als sportaktiver Mensch weiß man, dass man nach einem ausdauernden Training mit starker Belastung und ohne „Übung“ mit einer kalten Dusche zur Abkühlung, einen heftigen muskulären Schmerz hervorrufen kann und sogenannten „Muskelkater“ begünstigt, da die gewärmte Muskulatur schlagartig unter kaltem Wasser auskühlt. Ein Muskelkater sind winzig kleine Gewebeeinblutungen in der Muskulatur, die sehr schmerzhaft sein können. Mit einem Muskelkater trainiert man nicht weiter, bis er vollständig abgeklungen ist!


Betrachten wir den Hund, der während, oder nach anstrengender „Arbeit“ in kaltem Wasser schwimmt, oder in diesem Wasser viel apportiert, so erscheint die Erkrankung mit einer „Wasserrute“ plötzlich nachvollziehbar zu werden.


Grundsätzlich gilt nach der Heilung: Schonung und Ruhe. Nie sofort wieder in das volle Training mit dem Tier einsteigen, oder das Tier zur vollwertigen „Arbeit“ einsetzen. Nicht in kaltem Wasser schwimmen lassen. Leinenzwang und Ruhe sorgen dafür, dass nach dem Heilen nicht innerhalb weniger Tage eine Rückkehr der Erkrankung erfolgt!



Wie „heilt“ man eine Wasserrute?



Wir wissen inzwischen, dass die Erkrankung mit starken Schmerzen für das Tier einhergeht. Also wird der Tierarzt zuerst Schmerzmittel verordnen. Linderung schafft zusätzlich eine milde Bestrahlung mit Rotlicht, eine leichte Wärmflasche am Rutenansatz, die Gabe von Entzündungshemmern (gern aus der Homöopathie) und unter Umständen eine kurze Physiotherapie. Das eigentliche Zauberwort heißt aber „SCHONUNG“!


Da Hunde die einmal an einer Wasserrute erkrankt sind scheinbar dazu neigen, irgendwann erneut zu erkranken, ist es von größter Wichtigkeit, die Wasserrute mit Ruhe und Geduld auszukurieren.



Wie beugt man der Erkrankung vor?


Als verantwortungsbewusste Hundebesitzer ist es unsere Aufgabe darauf zu achten, dass sich unsere Tiere nicht überbeanspruchen. Notfalls müssen wir einschreiten und das Tier zur Ruhe „zwingen“, indem es angeleint wird.

Wir müssen darauf achten, dass untrainierte Hunde nicht in und mit den Arbeitsaufgaben körperlich überfordert werden. Training macht es irgendwann durchaus möglich, mit dem Hund intensiv und ausdauernd zu arbeiten. Nie jedoch ohne Training und vorgewärmter Muskulatur! Hier gilt „Schritt für Schritt“ zur vollen Leistung!

Der Hund gehört nicht stundenlang in eine zu kleine Box! Längstens zwei Stunden am Stück sollte das ausgewachsene Tier in der (ausreichend großen) Box verbleiben müssen. Danach ist Bewegung, sich strecken können wichtig! Bitte beachten Sie diese Maßgabe auch auf Fahrten in den Urlaub! Das Tier benötigt dringend Pausen, in denen es sich bewegen und angemessen dehnen kann!

Wirklich wichtig ist auch, dass das Tier nach Spaziergängen im Regen, bei Schnee du in feuchter Kälte anschließend gut abgetrocknet wird und dass es sich ausreichend aufwärmen kann.


Leider führt ein gesteigerter Überehrgeiz von Hundehaltern zu dieser – für unsere Hunde sehr schmerzhaften – Erkrankung. Seien sie bitte nachsichtig mit ihrem Tier und vorsichtig im Umgang mit Tier und Arbeit. Der Begriff der „Auslastung“ wird in der heutigen Zeit leider zunehmend „überstrapaziert“, was immer zulasten des Hundes geht! Unterbinden sie zu heftiges Toben ihres Hundes im körperlich noch kühlen Zustand.


Mit etwas Umsicht und Wissen werden Sie die Krankheit „Wasserrute“ im Leben ihres Hundes umgehen können!