Die Geschichte des Labradors



Die Geschichte des Labradors



Wir kennen unsere Hunde heute nur noch unter dem Namen „LABRADOR“.

 

Der Ursprung der Rasse liegt aber nicht –wie der Name vermuten ließe- an den Küsten Labradors (Kanada), sondern vielmehr kam er aus Neufundland und im Grunde ist der Labrador“ genetisch gesehen ein kleinerer Bruder des Neufundländers.(Foto oben zeigt den Newfoundland Water Dog)



Soweit heute bekannt, stammt der Labrador vom „St. John´s Dog“ (Newfoundland Water Dog) ab. Die dortigen Fischer benötigten einen Hund, der im eisigen Wasser ein guter und ausdauernder Schwimmer war. Seine Aufgabe war es, beim Einholen der Fischernetze zu helfen und dabei verloren gegangenen Fisch zu apportieren.

 

Zugleich sollte der Hund aber auch bei der Jagd zu Lande genutzt werden können. Er musste Wild aufstöbern und erlegten Wild bringen können, ohne es zu „beschädigen“.



Der 2. Earl of Malmesbury ( 1778 – 1841) war maßgeblich am Import dieser Rasse nach England beteiligt. Früh erkannte der Earl das hohe Potential der Tier für den Einsatz bei der Jagd.


Auf seinem in der Nähe von Poole befindlichen Landsitz „Heron Court“ gründete er den ersten Zwinger mit dem Namen „Malmesbury“ Der Earl bemühte sich sein ganzes Leben, die Zucht möglichst rein zu erhalten und er vererbte seine Vorliebe für diese Hunde sehr erfolgreich an seine Nachkommen.


Der 3. Earl of Malmesbury ( 1807 – 1889 ) bemühte sich nach dem Tod seines Vaters um weitere Importe der Hunde aus Neufundland, um die Zucht zu erweitern und eine Reinhaltung der Rasse zu vertiefen.



Der Name „Labradortauchte erstmals im Jahr 1887 in einem Brief des Earls auf, in dem er einem Freund die Rasse beschrieb und erwähnte, dass er die Hunde „Labradors“ nannte. In diesem Brief beschrieb der Earl auch die Fellbeschaffenheit des Labradors, die stark wasserabweisend ist und erstmals fiel auch der Begriff der „Otterrute“ beim Labrador.



Eine Anerkennung der Rasse durch den englischen Kennel Club erfolgte erst spät im Jahr 1904. Einige englische Aristokraten nutzten die Hunde jedoch schon vorher für den Einsatz bei der Jagd und bildeten die Tiere dazu aus, dem Jäger still zu folgen und das erlegte Wild erst nach dem Schuss zu bringen. Dabei wurde ein Schwerpunkt der Erziehung auch auf die „Weichmäuligkeit“ der Hunde gelegt, welche bedeutet, dass der Labrador geschossenes Federwild ohne Beschädigung zum Jäger bringt. Der Labrador erwies sich dabei als ein Hund, der gern arbeitet und lernt und sich aufrichtig freut, wenn sein Herr ihn lobt und bestätigt. Sein sprichwörtlicher „will zu please“ (Wunsch zu gefallen) ist bis heute fester Punkt in den Zuchtstatuten.



Das Bringen von Wild (to retrieve) brachte der Rasse den Oberbegriff „Retriever“ ein, der bis heute gängig ist und inzwischen sechs verschiedene Retriever-Rassen kennzeichnet.


Labrador Retriever

Golden Retriever

Chesapeake Bay Retriever

Curly Coated Retriever

Flat-coated Retriever

Nova Scotia Duck Tolling Retriever



Lediglich der Chesapeake Bay Retriever (Chessie) ist dabei als Zucht in den Vereinigten Staaten entstanden. Der Labrador und der Nova Scotia Duck Toller haben ihren Ursprung in Kanada, die übrigen Retriever wurden in England gezüchtet.



In Deutschland sind heute die gängisten Rassen der "Labrador Retriever" und der "Golden Retriever". Langsam folgt in der Bekannheit der "Flat-coated Retriever". Die drei anderen Unterrassen sind in der Zucht hierzulande noch eher spärlich vertreten.

 

In den 1880er Jahren endete beinahe die Geschichte des Labradors. Neufundland stellte zu dieser Zeit die Fischerei zugunsten der Schafzucht weitestgehend ein. Der "Newfoundland Water Dog" wurde überflüssig. Die Regierung erhob so extrem hohe Steuern auf die weiblichen Tiere, dass man dazu überging, alle Hündinnen dieser Rasse zu töten.

Im Jahr 1895 führte England zudem eine äußerst strikte Quarantäneregelung ein, die die Einfuhr von Hunden fast unmöglich machte.

Das Aussterben dieser wunderbaren Rasse schien fast schon greifbar, als im Jahr 1930 noch einige sehr wenige Hunde alter Linien in den abgelgensten Gegenden Neufundlands gefunden und nach England gebracht wurden. Damit war ein Fortbestand der Zucht gesichert.

 

In den Jahren des 2. Weltkrieges dezimierten sich die Labradors in England aufgrund des Kriegsgeschehens und der damit verbundenen Hungersnot sehr drastisch. Nach Ende des Krieges waren kaum noch Hunde vorhanden, aber dennoch gelang es, die Zucht wieder aufleben zu lassen.



Der Labrador und der Golden Retriever haben sich heute bei uns auf einem festen Platz als Familienhunde etabliert. Bei aller Sanftmut und Menschenfreundlichkeit der Tiere, soll und darf man aber nie vergessen, dass ein Retriever nur dann wirklich glücklich lebt, wenn er physisch und psychisch gefordert wird. Ein gelangweiltes Tier dieser Rassen kann durchaus zu einem unerwünschten Verhalten neigen!



Trägt man also den Wunsch, sich einen Retriever anzuschaffen, so muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Tier arbeiten „möchte“ und artgerecht ausgelastet werden sollte.



Auch muss man daran denken, dass Retriever rassebedingt immer auch über einen Jagdtrieb verfügen, gern apportieren und stöbern. Diese Veranlagungen dem Tier abgewöhnen zu wollen, würde unmenschlich sein, denn es hieße, dem Tier seine genetisch vorgegebene Aufgabe nehmen zu wollen!

 

An dieser Stelle ist ausdrücklich Malmesbury, Bucceleuch und der Radclyffe Familie ("Zelstone") zu danken, die in der frühen Zuchtgeschichte der Labradors, durch reingezüchtete Blutslinien den Labrador in England und von dort später bis in die ganze Welt erst ermöglichten.