Der Dudley-Labrador - genetischer "Missgriff", oder eine "Besonderheit" ?



Wir hatten bereits viele, viele Jahre Labradore, als mir erstmalig der Begriff „Dudley“ bekannt wurde.


Gesehen hatte ich solange noch nie einen „echten“ Dudley. Es sind Raritäten innerhalb der Rasse. Unbekannt, unbeachtet, oft herabgewürdigt und selten in ganz reiner Form zu sehen. Unser „Arthur“ ist ein waschechter, reiner Dudley und so möchte ich den Begriff gern mal ein wenig erläutern. Ich denke, viele Labradorbesitzer haben noch nie davon gehört, da der Begriff „Dudley“ in Deutschland innerhalb des VDH (Verein für das Deutsche Hundewesen) eher unter den Tisch gekehrt zu werden scheint. 

 

Einen Labrador ohne schwarze Pigmente bezeichnet man in Amerika als „Dudley“. In England ist der Name für diesen Farbschlag „Peppermint Cream“.

Gebräuchlicher in Deutschland ist der Ausdruck „Dudley“.

 

Wie entsteht ein Dudley? Ich habe mal einen entsprechenden Link zur Farbvererbung beigefügt.

Man ging früher davon aus, dass in mindestens zwei aufeinander folgenden Generationen nur Labbis in den Farben braun/braun, gelb/gelb und braun/gelb zur Verpaarung kommen müssten, um einen Dudley in einem Wurf fallen zu lassen.

 

Inzwischen weiß man, dass auch ein Dudley durchaus die Farbe Schwarz in der direkten Linie haben kann.

 

http://www.labrador.de/farbvererbung.html

 

Verpaart man einen schwarzen Labbi, der sowohl braun, als auch gelb trägt mit einem Dudley, so werden die Welpen folgende Farben tragen können: gelb – braun tragend, braun – gelb tragend, schwarz – gelb und braun tragend, sowie wieder… einen Dudley.

 

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass ein Dudley ein zu 100% „normaler“ Labrador ist.

 

Inzwischen wird der Dudley sowohl im FCI, als auch im LCD anerkannt und darf zur Zucht eingesetzt werden. Alle Welpen erhalten entsprechende Papiere.

Einzig auf Ausstellungen sind Dudleys nach wie vor nicht „erwünscht“ – zumindest meistens nicht. Woran das liegt? An ihrer Optik, die nicht zu 100% den Vorgaben zum Rassestandard entspricht. In England ist eine Ausstellung von Dudleys komplett untersagt.

 

Wie sieht ein Dudley aus?

 

Vorrangig… gelb und braun, bzw. bräunlich-zimtnotig.

Das heißt, die Fellfarbe ich von einem hellen gelb mit zimtnotigen Einfügungen, sowie Angelwings auf den Flanken.

Die Krallen sind nicht schwarz, sondern nuancieren von sehr hell gelb bis hin zu „liver“ also leberfarben/braun.

Der Nasenschwamm ist nicht schwarz, sondern ebenfalls liver und bildet keine „echte“ Snownose.

Die Augenfarbe eines Dudley ist von hellem bernsteinbraun mit einem manchmal sehr, sehr leichten Touch von grün, bis zu einem etwas dunkleren braun. Jedoch niemals so tiefbraun, wie z.B. bei einem schwarzen Labbi.

Die Augen sind im Gegensatz zum gelben Labbi beim Dudley braun und nicht schwarz umrandet, die Wimpern sehr hellgelb.

 

Schauen wir uns den internationalen Rasse-Standard für den Labrador-Retriever an, so entspricht dieser n i c h t der Optik eines Dudleys. Es fehlt schlicht… der schwarze Nasenschwamm und damit sind wir bei dem Thema, dass Dudleys auf Ausstellungen nicht erwünscht sind.

Da der Dudley jedoch ansonsten zu 100% ein Labrador ist, steht der Zucht nichts im Wege, gleichwohl Züchter es vermeiden, eine Paarung zweier Hunde so vorzunehmen, dass im Wurf ein Dudley fällt.

 

Gesundheitsprobleme und Wesensänderungen kann man beim Dudley nicht beobachten. Einzig der sehr helle Hauttypus sorgt dafür, dass der Dudley empfindlicher auf Sonne reagiert und leichter einen Sonnenbrand bekommt. Dudleybesitzer cremen aus diesem Grund den Hunden im Sommer gern die Nase leicht ein. Von sich aus meidet der Dudley die pralle Sonne instinktiv.

 

Dudleys waren lange Zeit so unpopulär, dass noch heute viele ihrer Besitzer gar nicht wissen, was für ein Tier sie haben. Oft werden sie jedoch auf das etwas ungewöhnliche Erscheinungsbild des Hundes angesprochen.

 

Inzwischen erfreuen sich Dudleys einer hohen Beliebtheit.

Auch wir haben einen Dudley-Rüden, unseren Arthur. Wie immer … aus dem Tierschutz übernommen.

Ich finde unseren Buben wunderschön – natürlich, denn er ist ja unser Familienmitglied.

Dennoch heiße ich es nicht für gut, gezielt so zu verpaaren, dass Dudleys fallen, um einen eventuell neuen Markt zu befriedigen.

 

Der Hype um die braunen Labradors ab dem Jahr 2003 hat der Zucht extrem geschadet. Der riesige Markt wollte bedient werden und öffnete Tür und Tor für unseriöse Züchter. Der Weg war bereitet für kranke und überzüchtete Hunde mit unzähligen Erkrankungen.

Insgesamt hat die Retriever-Rasse durch die gigantische Nachfrage nur Schaden genommen. Fällt jetzt auch noch der Dudley unter die Modehunde, wird der Schaden sich weiter vergrößern.

 

Ich hoffe, ich konnte den Dudley so erklären, dass er nicht mehr irrtümlich als „Sonderfarbe“ angesehen wird.

 

© Text Dr. rer. Biol. vet. Daniela Koppenhöfer 02/2016

© Vererbungsschema LCD

© Fotos Daniela Koppenhöfer