Senioren auf vier Pfoten, oder "Das Wunder des Alters"...



Senioren auf vier Pfoten…



Wohl jeder Hundebesitzer fragt sich schon bei der Anschaffung des Tieres, wie es wohl sein wird, wenn der Hund einmal alt sein wird.


Da sind vorrangig die bangen Fragen nach Krankheit und Siechtum, nach Pflegeaufwand und Verantwortung.


Kaum jemals können wir aber erkennen, was für eine wundervolle Zeit vor uns liegen wird, wenn unser Hund zum Senior wird. Erst die Erfahrung mit einem älteren, oder alten Tier bringt uns die tiefe Einsicht, dass das Seniorenalter unserer Hunde eine ganz zauberhafte Lebensphase sein kann.


Auch wir haben damals bei unserem ersten Hund darüber gesprochen, dass es nach einem langen Hundeleben sicher ganz schrecklich sein muss, wenn das Tier ein graues Schnäuzchen bekommt und sichtbar und fühlbar alt wird. Lachend beschlossen wir damals, unserer Hündin dann das Bärtchen zu färben, um für uns die Illusion von Jugend und Frische unseres Hundes aufrechterhalten zu können.



Heute, ein Jahrzehnt später und um viele Erfahrungen mit alten Hunden reicher, betrachten wir das Alter unserer Hunde mit Liebe, Aufmerksamkeit und einer tiefen Zärtlichkeit, sowie großer Achtung.



Ein alter Hund ist keinesfalls „unbrauchbar“ oder nicht mehr attraktiv für eine Familie. Vielmehr ist es so, dass das ältere oder alte Tier,  eine große Bereicherung des täglichen Lebens darstellt. Mit Verwunderung und Erstaunen lernen wir, dass unsere Tiere im Alter durchaus noch eine hohe Lebensqualität haben.

Sie haben Lernphasen mit mehr oder weniger Erfolg hinter sich gelassen. Die Zeit hektischer Betriebsamkeit ist nun einer Zeit der Gelassenheit, Ruhe und innerer Einkehr gewichen. Unsere Hunde haben das Alter hinter sich gelassen, in denen ihr Körper vor Adrenalin strotzte und jeder Tag viele neue Herausforderungen barg.


Ähnlich wie ein alter Mensch partizipiert der Hund im Alter von seiner Lebenserfahrung. Er bringt eine tiefe, innere Gelassenheit auf, die seine Tage in freundlichem und heiterem Gleichklang verlaufen lassen. Aus dem wilden Spielkameraden ist ein ruhiger, ausgeglichener und zuverlässiger Partner geworden.


Der Tagesablauf ist nicht mehr von der ständigen Aufnahme neuer Erfahrungen geprägt, sondern vom Erleben einer genussvollen Zeit. Gutes Futter, ein Schläfchen in der Sonne, Zeit für Zärtlichkeit, oder einfach nur die Betrachtung des Geschehens rundum, bereiten dem Hund nun Freude und Wohlbehagen.


Sicherlich müssen wir hinnehmen, dass unser Tier im Alter Beschwerden hat. Aber: Haben wir als Menschen nicht auch im Alter das eine oder andere Zipperlein? Unsere Hunde erleben das Altern im gleichen Maß wie Menschen, jedoch völlig angstfrei! Die Knochen werden steifer, die Augen sehen schlechter und nicht jeder Tag ist ein Tag voller Energie und Zuversicht.


Wenn wir als Menschen uns ein wenig in unseren Senior-Hund einfühlen können, dann bringen wir auch das Verständnis und die Liebe auf, mit den ganz normalen Erscheinungen des Älterwerdens umgehen zu können, oder es zu erlernen.

Der alte Hund genießt Zuwendung und Zärtlichkeit in einem deutlich höheren Maß, als ein junger Hund das tun kann. Eine streichelnde Hand, ein Platz auf dem warmen Sofa an der Seite „seines“ Menschen, ein liebevoller Blick: All dieses erfreut unsere alten Hunde in einem hohen Maß und macht sie glücklich und dankbar. Das Tier braucht jetzt keine riesigen Spaziergänge mehr, auf denen der Ball schier unaufhörlich fliegt. Der Lebensrhythmus ist deutlich ruhiger geworden.


Haben Sie schon mal die Weisheit in den Augen eines alten Hundes erblickt? Schauen Sie einem alten Tier mal tief in die Augen und es wird Ihnen erscheinen, als würden sie direkt in die Seele des Tieres blicken können. Vertrauen, Liebe, Hingabe und Wissen prägen den Augenausdruck eines alten Hundes. Das Wissen um Zeit und Vergänglichkeit steht in ihnen zu lesen, ebenso wie manchmal das Wissen um Schmerz, Angst und Not.


Sie haben Angst, dass Ihr Tier unter einer Krankheit „leidet“? Diese Angst kann und muss ich Ihnen nehmen! Tiere empfinden Krankheit, Alter und Tod als einen völlig normalen Prozess im Lebenszyklus. Tiere haben nicht – wie wir Menschen – Angst vor dem Loslassen. Sie akzeptieren die Gegebenheiten der Natur mit großer Gelassenheit und damit wesentlich pragmatischer und besser, als wir Menschen. Das Tier betrachtet den Lebenszyklus als einen Kreis, der sich im Alter schließen wird und schließen muss. Einen Kreis, der der Natur entspricht, dem man nicht entrinnen kann und will, der etwas völlig Natürliches darstellt.

Betrachten wir diesen so wichtigen Umstand, brauchen wir eigentlich schon kaum noch Angst vor dem Alter unseres Hundes zu haben.


Wir werden das Tier behüten und versorgen. Wir werden eine gemütliche Zeit des Zusammenseins genießen. Wir werden unsere Zeit mit einander teilen und sie genießen. Mit unserem Tier wird uns ein tiefes Einverständnis verbinden und Blicke werden mehr sagen, als Worte. In unserem Herzen werden wir fühlen können, was unser altes Tier braucht und was ihm wichtig ist.


Leben mit einem alten Hund? Das bedeutet „Tiefenentspannung“ für Hund und Halter. Muße für die schönen und ruhigen Dinge des Lebens. Die Phase von Wachsen und Werden ist vorüber und sowohl der Hund, als auch sein Mensch genießen die Früchte eines gemeinsamen Lebens. Es ist wie bei einem alten Ehepaar – man versteht sich einfach schon perfekt aus dem genauen Kennen heraus. Die Liebe, die uns ein altes Tier schenkt, ist unvergleichlich! Die Wärme, Intensität und Intimität ist atemberaubend. Der Blick aus den Augen des alten Tieres ist weise, Kraft gebend und zeigt die tiefe Kenntnis eines langen Hundelebens. Der Blick ist weich, warm und dankbar.


Ja! Mich konnte man dabei erwischen, dass ich manchmal abends „händchenhaltend“ mit unserer ältesten Hündin auf dem Sofa saß. Die warme Pfote in meiner Hand ruhend und manchmal den Blick meiner alten Hündin auffangend, der zu sagen schien: Schön, dass du da bist! Ein tiefer Seufzer und zufrieden schlief mein altes Mädchen wieder ein.



Haben Sie Mut zum Alter! Haben Sie Mut zu einem alten, oder älteren Hund! Erleben Sie das wundervolle Gefühl, einem Tier mit Lebenserfahrung einen Altersruhesitz zu bieten, wo es in Würde, Liebe und Aufmerksamkeit die letzte ruhige Phase seines Lebens genießen darf.

Warum sollten wir unserem Tier nicht das geben, was wir uns als Menschen für  u n s e r  Alter so herzlich wünschen würden?



Ich wünsche Ihnen eine schöne und friedvolle Zeit mit Ihrem „Senioren auf vier Pfoten“