Hier sollen Sie ein paar Informationen über den Zyklus Ihrer Hündin bekommen. Vielen Hundebesitzern ist auch nach langer Zeit noch nicht bewusst, wie der Zyklus einer Hündin verläuft, wie sich das Tier vor-, während- und nach dieser Zeit verändert und worauf man achten sollte (auch und vielleicht wenn man Rüdenbesitzer ist).


Die Hitze (auch Läufigkeit genannt) kennzeichnet bei Hündinnen den Fruchtbarkeitszyklus. Jede unkastrierte Hündin kommt in der Regel zweimal jährlich in die Hitze. Abweichung: Sehr große Rassen haben im Regelfall nur einen Hitzezyklus pro Jahr, ebenso wie Mini-Hunde. Die Hitze verläuft normalerweise im Frühjahr und im Herbst.

Werden mehrere Hündinnen auf engstem Raum gehalten, so kann der Hitzezyklus der geschlechtsdominanten Hündinnen den Zyklus der defensiveren Hündinnen tatsächlich unterdrücken! Im Gegenzug kann eine Hündin aber -durch in der Nachbarschaft heiße Hündinnen- sozusagen „inspiriert“ werden, ebenfalls heiß zu werden.



Psychische und physische Veränderungen der Hündinnen

Hündinnen kleiner Rassen werden in der Regel bereits im Alter von 6 oder 7 Monaten erstmals heiß. Hündinnen größerer Rassen, bzw. Großhunde warten unter Umständen bis zu 15 Monate, bis sie vom „Mädchen“ zur „Frau“ werden.

Wie bei uns Menschenfrauen, ist auch bei Hündinnen der Zyklus ein sehr komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren, wie z.B. Hormonhaushalt, psychische Verfassung, Ernährungszustand, Gesundheitszustand, Haltungsbedingungen; und sogar Witterungsbedingungen beeinflussen den Zyklus.

Die Läufigkeit verläuft in auf zwei Ebenen und in drei unterschiedlichen Phasen. Sie werden bei Ihrer Hündin sowohl psychische, als auch physische Veränderungen wahrnehmen  können.

Im Folgenden versuche ich, Ihnen die Phasen der Hitze zu erläutern.



Phase 1 – „Vorbrunst“ genannt



Sie können in dieser Phase bei Ihrer Hündin ein sehr deutliches Anschwellen der Vagina und der äußeren Schamlippen ( im Fachjargon „Schnalle“ genannt) erkennen. Optisch gleicht die Schnalle nun einer großen, getrockneten Feige.

Bei vielen Hündinnen geht diese Veränderung auch mit farblichen Veränderungen vor sich. So nimmt die Schnalle eine leuchtend rote Farbe an, bedingt dadurch, dass eine bessere Durchblutung einsetzt.


Nun wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten kleinen Blutströpfchen sichtbar sind. Möchten Sie kontrollieren, ob diese Phase bereits begonnen hat, können sie mit einem sauberen Papiertaschentuch vorsichtig den Innenrand der Schnalle betupfen und werden dann die erste Färbung feststellen.

Das erste Blut ist noch tiefrot bis bräunlich. Die Färbung wird mit der fortschreitenden Hitze deutlich heller und intensiver.

Die Hündin wird immer versuchen, sich sorfältigst zu säubern und so wird Ihnen auffallen, dass ein intensives und verstärktes Reinigungslecken einsetzt. Die Vorbrunst dauert etwa 10 Tage.



Verhalten in der Vorbrunst

Die Hündin „markiert“ nun auf den Spaziergängen auffallend häufig durch urinieren. Der Urin wird dabei sozusagen „tröpfchenweise portioniert“ und nun an Stellen abgesetzt, die der Hündin geeignet erscheinen, darauf hinzuweisen, dass hier eine Hündin zu finden ist, die bald paarungsbereit sein wird.

Die Hündin wird in dieser Phase keinen Rüden in körperlicher Nähe wünschen. Sie wird sich bei Annäherung einfach absetzen und im Zweifel und mal sehr massiv abwehren, wenn der Kavalier arg zu aufdringlich wird.


In der Vorbrunst verändern sich die Hündinnen oft recht drastisch. So hören selbst ansonsten sehr führige Tiere in dieser Zeit nicht und es scheint, als haben sie ihre Ohren „daheim vergessen“. Das Verhältnis zu anderen Hündinnen kann sich in dieser Zeit ändern. Es passiert nicht selten, dass „Erzfeindinnen“ in dieser Zeit freundlich begrüßt werden, im Gegenzug gibt es Hündinnen, die in dieser Phase äußerst gereizt auf Artgenossinnen reagieren und gern ein wenig stänkern.


Wie bei uns Menschenfrauen haben auch Hündinnen in dieser Zeit eher ungewöhnliche „Gelüste“. Manche Hündinnen werden kurzfristig zu Fressmaschinen und „Mülleimern“. Manche Hündinnen verweigern eher die Nahrungsaufnahme und setzten auf Diät. Die „Damen“ erscheinen uns in dieser Phase oft recht wunderlich!



Phase 2 – „Brunst“ genannt

 

 

Zwischen dem 9. und dem 16. Tag der Blutung verändert sich die Farbe und manchmal die Konsistenz des Blutes. Jetzt gilt es für den Hundehalter, die Farbe genauestens zu beobachten. Wenn das Blut hellrosa bis schleimig klar ist und eher einem Ausfluss gleicht, dann ist die Hündin in den sogenannten „Stehtagen“. Grundsätzlich gilt also: Zwischen dem 9. Und dem 16. Tag der Blutung ist Ihre Hündin deckbereit! Die Schnalle ist zwar noch immer sehr gut durchblutet, wird aber etwas kleiner und weicher.


Wenn Sie Ihrer Hündin nun den Rücken sanft streicheln, sie liebevoll anschauen und manchmal einfach nur innig kraulen, signalisiert sie Deckbereitschaft: Die Rute wird beiseite gelegt und die Schnalle nach außen „gestülpt“. Beim Deckakt würde die Hündin auf diese Weise dem Rüden das Eindringen erleichtern. Dieser Zeitpunkt wird als „Stehzeit“ betitelt.


Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Hündin nun tragend wird, sollten Sie Rüdenkontakte tunlichst vermeiden. Einen aufdringlichen Rüden abwehren, ist in dieser Phase äußerst schwierig, denn auch Ihre Hündin „will“ sich nun unbedingt paaren – die Natur gibt es einfach vor!



Verhalten in der Brunst

Ihre Hündin wird sich nun innerhalb der häuslichen Gemeinschaft sehr liebesbedürfig und brav zeigen. Draußen werden Sie Ihre Hündin unter Umständen kaum noch wiedererkennen! Jetzt gilt es für die Hündin, die Chance zu nutzen und einen potentiellen Vater für einen Wurf zu finden! Die Ohren sind nun auf Durchzug geschaltet und der Hundeführer ist für den eigenen Hund plötzlich „Luft“.


Die Zeit innerhalb der Brunst, in der reife Eier zur Befruchtung bereitstehen, nennt man „Hochzeit“. Diese Zeit dauert etwa 72 Stunden an.

Da Sie als Mensch nicht genau wissen werden, wann diese 72 Stunden beginnen, oder enden (im Gegensatz zu der Hündin selbst und zu jedem Rüden im weiten Umkreis!!!), sollte Ihre Hündin für die nun folgenden 10 Tage niemals ohne Beobachtung sein!


Paarungswillige „Herren der Schöpfung“ überwinden bei diesem Angebot auch schon mal einen hohen Zaun, werden zu Tiefbau-Ingenieuren und sind überaus einfalls- und erfindungsreich. Ihre Hündin wird dem in nichts nachstehen. Sie mutiert zur „Lebedame“, die nur das Vergnügen sucht.

Auf den Spaziergängen sollten Sie die Hündin absolut nicht von der Leine lassen und vielleicht die Runden in Zeiten verlegen, wo Sie Rüdenkontakten aus dem Weg gehen können.



Phase 3 – Nachbrunst genannt, oder auch „Rückbildungsphase“

 

Ob die Stehzeit sicher vorüber ist, kann man daran sehen, dass sich die Schnalle langsam wieder rückbildet und die starke Durchblutung sich normalisiert. Ein restlicher, klarer und schleimiger Ausfluss klingt nun rasch ab. Bei Streicheleinheiten reagiert Ihr Tier nun wieder „normal“. Die Rute wird nicht zur Seite gedreht und der Umgang mit dem Tier normalisiert sich nun
zusehends. Manchmal entziehen sich Hündinnen kurzfristig diesen – für uns normalen – Streicheleinheiten.



Verhalten in der Nachbrunst

Ihre Hündin wird nun nicht mehr fortwährend „markieren“, sondern die Blase – wie gewohnt – komplett entleeren. Rüden werden vehement abgewehrt und notfalls energisch „verbissen“. Leider riechen die Hündinnen für die Rüdenwelt noch eine
recht lange Weile äußerst verführerisch und so sind kleine Rangeleien vorprogrammiert.

Für Ihre Hündin werden nun anderen Hündinnen wieder zu Freundinnen, alte Feindinnen werden aber auch wieder zu Gegnern. Die Ohren Ihres Tieres „funktionieren“ nun auch wieder und es steht einem normalisierten „Miteinander“ nichts mehr im Weg.


Der Hormonhaushalt der Hündin benötigt etwa 75 Tage, um sich nach der Hitze wieder völlig zu normalisieren. In dieser Zeit kommt es relativ häufig zu einer Scheinschwangerschaft. Ihre Hündin wird eventuell Spielzeug am Liegeplatz „horten“. Sie wird entweder leicht zerstörerisch, oder im Umkehrschluss sehr verschmust sein. Bitte ignorieren Sie eventuell unerwünschtes Verhalten des Tieres. Alles wird sich wieder regulieren.


Sollte Ihre Hündin allerdings Probleme damit haben, dass Milch in das Gesäuge einschießt, kann man Tabletten verabreichen lassen, damit es nicht zu Gesäuge-Entzündungen kommt und das Tier keine Schmerzen durch Schwellungen hat.

Bitte „doktern“ Sie nicht selbst am Gesäuge, indem Sie kühlen, massieren etc.! Sie würden den Milchfluss unter Umständen nur verschlimmern, oder gar stimulieren!


Bei älteren Hündinnen (etwa ab dem 7. Lebensjahr) besteht nach der Hitze eine erhöhte Gefahr von Gebärmutterentzündungen! Aufgrund der geöffneten Vagina in der Stehzeit können Bakterien ungehindert eindringen und zu schweren Entzündungen führen, die eventuell eine Notkastration notwendig machen würden! Bitte kontrollieren Sie bei einer älteren Hündin in dieser Zeit regelmäßig die Körpertemperatur und beobachten Sie, ob Ihr Tier vermehrt trinkt. Beides sind
Indizien für eine Entzündung der Gebärmutter in dieser Zeit!



Verständnis und Verantwortung sind wichtig!

Bei jeder Hündin hat der Zyklus einen eher einzigartigen Verlauf. Mit den Jahren werden Sie lernen, zu beobachten und zu angemessen zu reagieren. Rechnen Sie pro Zyklus mit einer Zeitspanne von 3-4 Wochen, in denen Ihre Hündin psychisch und physisch nicht „ sie selbst“ sein wird. Bitte haben Sie Verständnis und Einfühlungsvermögen für Ihr Tier.

Ich erbitte an dieser Stelle auch eine Rücksichtnahme auf andere Hundehalter – egal, ob diese Hündinnen, oder Rüden führen!

Meiden Sie Hundeplätze, Freilaufflächen und auch in der Hundeschule, oder der Hundesportgruppe hat eine läufige Hündin für diese Zeit nichts zu suchen!

In der freien Wildbahn wären läufige Hündinnen „Alpha-Tiere“ in der Damenwelt! Sie reagieren auch entsprechend oft dominant – vermeiden Sie Machtkämpfe, die unter Hündinnen sehr extrem verlaufen können.

Oft animiert eine läufige Hündinnen auch Rüden zu Macht- und Revierkämpfen. Bitte entlasten Sie deren Besitzer, indem Sie unnötige Kontakte einfach umgehen und meiden!



Ein paar Worte zur Verhütung…



Sollte es trotz aller Sorgfalt zu einem unerwünschten Deckakt gekommen sein, kann Ihr Tierarzt eine Unterbrechung der Schwangerschaft vornehmen. Kein risikoloser und harmloser Eingriff! Bitte vermeiden Sie unter allen Umständen, dass es soweit kommt! Übernehmen Sie Verantwortung und passen Sie entsprechend gut auf Ihr Tier auf!


Wenn Sie nicht die Verantwortung für die Verhütung während eines langen Hundelebens übernehmen wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Empfängnisverhütung.


Kaum ein Thema führt unter Hundehaltern zu so erbitterten Diskussionen, wie eben dieses Thema. Daher beschränke ich mich hier nur auf die Nennung der aktuellsten Möglichkeiten. Es gibt ausgezeichnete Fachlektüre zum Thema. Bitte konsultieren Sie bei Interesse auch 2-3 unterschiedliche Tierärzte, um sich verschiedene Meinungen anhören zu können. Folgen Sie dann Ihrer Intuition und dem Gefühl dafür, was für Ihre Hündin wirklich gut ist!



Verhütungsmethoden die oft angewandt werden



Hormonspritze zur Unterdrückung der Läufigkeit

Nebenwirkungen: Es kommt sehr häufig zu Gebärmuttervereiterungen und zur Bildung von Gebärmutterkrebs. Ältere Hündinnen sind nach einem langen Leben mit Hormonbehandlungen davon häufig betroffen.



Totale Kastration

Entfernung der Gebärmutter und beider Eierstöcke.

Nebenwirkungen: Eine große Operation, die von sich aus bereits mit einem Risiko behaftet ist. Häufig Inkontinenz im Alter, da es zu einer Absenkung der Blase kommen kann. Verändertes Fressverhalten, welches sich aber im Griff behalten lässt.

Vorteil: Die Hündin ist ausgeglichener und stressfreier als unkastrierte Artgenossinen. Keine Blutungen mehr.



Teil-Kastration

Entfernung der Gebärmutter und nur eines Eierstockes.

Nebenwirkungen: OP-Risiko, spätere Inkontinenz, Rüden werden auch weiterhin einen markanten Duft an der Hündin wahrnehmen, wenn die Hitze eigentlich eingesetzt hätte, denn die Hormone lassen die Hündin noch attraktiv riechen.

Vorteil: Ihre Hündin bleibt hormonell völlig aktiv, nimmt nicht unerwünscht zu und wird unter Artgenossinen als „vollwertig“ wahrgenommen.

Weiterer Vorteil: Wie bereits erwähnt führt die Hündin ein aktives und hormonell „normales Leben“. Sie wird unter den Geschlechtsgenossinen immer als vollwertig eingestuft! Die Blutungen bleiben aus.



Alle beschriebenen „Umstände“ muss man aber als das betrachten, was sie sind: Ein vollkommen natürlicher Vorgang!

Jede Hündin reagiert in dieser Zeit anders. Klare Verhaltensmuster lassen sich nicht erfassen! Als Halter einer Hündin kann Ihr persönliches Empfinden für Ihr Tier in dieser Zeit von Ärger, zu Unverständnis, aber auch von Gelassenheit und dem Empfinden für Natürlichkeit geprägt sein.


Immer gilt aber: Haben Sie Verständnis für Ihr Tier, Versetzen Sie sich in Ihre Hündin hinein: Sie folgt nur dem Weg der Natur! Und diese Natur gibt Ihr auf eindringliche Weise zu verstehen, dass mit der Hitze der Moment gekommen ist, wo man durch Paarung zur Erhaltung der Art beitragen muss. Ihre Hündin folgt also lediglich einem Vermehrungsschema, welches so alt wie „Canis Lupus “ selbst ist!