Einen gesunden, wesensfesten Labrador Welpen kaufen...

... das ist heute leider nicht mehr so einfach!

 

Etwa in den Jahren 2003/2004 wurde der Labrador sprunghaft zu einer "Modehundrasse". Was mit dem wirklich zauberhaften Bild eines chocolatbraunen Labbi-Welpen auf der Zeitschrift "Ein Herz für Tiere" begann, endete für die gesamte Rasse fast in einer völligen Tragödie!

 

Plötzlich wollte jeder einen dieser wundervollen Familienhunde. Pflegeleicht, immer freundlich und so wirklich wunderschön anzusehen. Der "Markt" kollabierte regelrecht! Wie in der Wirtschaft üblich, regelt die Nachfrage das Angebot. In diesem Fall konnten seriöse Züchter in den Zuchtverbänden für Retriever diese gigantische Nachfrage nicht mehr befriedigen. Strenge Zuchtauflagen und der Schutz der Muttertiere machten es unmöglich, aus einem für die Jagd gezüchteten Hund, plötzlich einen massenkompatiblen Familienhund "en masse" zu "produzieren".

 

Wo eine Nachfrage nicht bedient werden kann, wo der Preis für hervorragende "Qualität" hoch ist, da ist Raum für das, was wir bei Designerware "Markenpiraterie" nennen. Bei den Hunden wurde der Begriff des "Vermehrers" geprägt. Ein Begriff, den wir mit mangelhafter Ware verbinden. Mit schlechter Qualität zu einem Spottpreis, der später durch die "Geiz ist geil" - Mentalität noch unterstützt wurde.

 

Für die Labradore bedeutete dieser Trend den Beginn unvorstellbarer Qualen in Massenzuchten. Unendliches Leid und im Endefffekt eine Hunderasse, deren Gesundheit durch unkontrollierte Zuchten nachhaltig zerstört wurde, deren Wesen nicht mehr dem entspricht, was wir von einem Labrador aus einer guten Zucht kennen. Tausende schwer kranker Hunde, die in Familien leben, die sich einfach nicht nur ungenügend über das wirkliche Wesen ein Labradors im Klaren waren, sondern einfach nur einem Modetrend folgten und das ungeachtet der Folgen für die gesamte Rasse Labrador.

 

Heute ist es für den wirklich ernsthaft interessierten Hundemenschen sehr schwierig geworden, einen Welpen zu kaufen, der gesund, wesensfest und dem typischen Rassestandart entsprechend ist und der nicht mit Papieren ausgestattet zu sein braucht. Sucht man nicht in den Rasseverbänden des LCD (Labrador Club Deutschland) oder dem DRC (Deutschen Retriever Club), was eindeutig auch eine Preisfrage ist, sondern schaut man nach einem möglichst preiswerteren Labrador aus einer wirklich guten Hobbyzucht, dann ist für den Laien der Unterschied zwischen einem seriösen Hobbyzüchter und einem "Vermehrer" kaum noch erkennbar.

 

Ich habe für Sie eine Liste zusammengestellt, anhand derer Sie vermutlich die schwarzen Schafe von den wirklich kompetenten Hobbyzüchtern (oder Dissidenz-Züchter wie sie genannt werden) unterscheiden können.

 

Meine Bitte an Sie ist, wirklich sehr genau zu schauen, woher Ihr Welpe kommt und von wem Sie das Tier kaufen. Was nutzt es, wenn Sie einen vermeintlich "günstigen" Welpen für 300 Euro kaufen, der wegen schwerster Erkrankungen bereits im ersten Lebensjahr mehrere tausend Euro Tierarztkosten verursacht, oder das erste Lebensjahr überhaupt nicht erst überlebt? Bitte bedenken Sie: Ein gesundes, wesensfestes Tier, welches Sie etwa 14 Jahre begleiten wird, kostet in der Regel bei einem sehr guten Verbandszüchter etwa 1.100 Euro! Dieses Tier wird aber gesund sein!

 

Bitte beachten Sie bei der Auswahl des "Züchters" folgende Kriterien:

 



Darauf sollte ich achten, wenn ich einen Welpen kaufen
will



Vorsicht ist geboten bei Kleinanzeigen, die nur eine
Mobilnummer aufweisen!

 

Ein seriöser Züchter gibt gern seine Festnetznummer bekannt! Ein unseriöser Züchter sucht Deckung und Anonymität hinter der Handynummer! Er wird im ersten Gespräch checken, ob er jemanden vom Tierschutz am Telefon hat, oder womöglich einen „versierten“ Hundebesitzer, der Dinge hinterfragt. In einem solchen Fall wird der Interessent sofort „abgebügelt“! Meiden Sie auf jeden Fall Kleinanzeigen bei E-Bay-Kleinanzeigen, Quoka etc. ! Wirklich seriöse Züchter werden dort -zumindest im Regelfall- nicht inserieren, denn sie können ihre Welpen auch auf anderen Wegen verkaufen! Ein guter Ruf ist immer auch ein Garant dafür, dass ein zu erwartender Wurf schon im Vorfeld durch "Mundpropaganda" verkauft ist!

 



Schauen Sie sich die Homepages genau an…



Wie viele Hunde sind auf der Seite? Alles was mehr als vier Hündinnen zeigt, würde ich als kritisch ansehen und Geschäftemacherei vermuten. Kommen dazu noch ein paar Rüden, dann ist es keinesfalls eine „saubere“ Zucht! Schauen Sie in die Gästebücher und verfolgen Sie eventuell darin stehende Homepages. Vermutlich werden Sie jede Menge Querverbindungen finden – von Gästebuch zu Gästebuch. Ein Vermehrerring steht dann vermutlich dahinter!Gästebucheinträge sind leicht zu fälschen! Stehen dort E-Mail-Adressen? Wenn nein, sind es sicher fingierte Einträge!



Schauen Sie sich sehr genau das Umfeld der Welpen an!!!



Sauberes Haus? Kein Geruch nach Desinfektionsmitteln ist wichtig, denn viele unseriöse Züchter pudern und sprayen die Welpen vor dem Besuch von Interessenten mit Flohmitteln ein! Es hilft, wenn man bittet, die Toilette aufsuchen zu dürfen und mal ein kritisches Auge auf den Badezimmerinhalt wirft. Stehen dort Insektizide o.ä.?



Liegt im Haus Spielzeug für Hunde, welches auch „benutzt“ ausschaut? Gibt es eine saubere Wurfkiste, oder ein Welpenzimmer? Ein Blick aus dem Fenster zeigt, ob es im Garten einen Welpenauslauf und Spielzeug wie Tunnel etc. gibt, die eigentlich jeder Züchter für die Sozialisierung der Welpen bereitstellt.



Mutter und Menschen der Welpen…



Lassen Sie sich die Mutter der Welpen zeigen, die im Idealfall bei ihren Babys ist. Die Mutter sollte (wie die Welpen) gepflegt und gut genährt aussehen. Abhaaren ist normal, aber der körperliche Zustand sollte dennoch sehr gut sein! Ist ein Gesäuge zu sehen? Wenn nicht, wird eine „Scheinmutter“ präsentiert, was oft der Fall ist, um vom grausamen Zustand der richtigen Mutter abzulenken!



Gehen die Kleinen liebevoll und vertraut mit der „Mutter“ um und ist es damit erkennbar, dass es wirklich die Welpen der vorgezeigten Mutterhündin sind?



Wie gehen die Babys mit dem Züchter um? Sie sollten fröhlich, freundlich und mobil um „ihre“ Menschen herum sein. Drücken sich die Welpen in die Ecken des Raumes, oder fliehen sie gar, dann stimmt etwas ganz und gar nicht!

 

Wird Ihnen nur ein einziger Welpe präsentiert? Dann stimmt etwas ganz, ganz sicher nicht!!!



Streichen Sie dem Welpen durch das Fell. Kleine schwarze Pünktchen kennzeichnen Flohkot und weisen auf miese Haltung hin. Riechen die Welpen sauber und gut?



Sagt man Ihnen, die Mutter sei gerade „außer Haus“, so ist das ein Vorwand und zwar zu 100%! Seriöse Züchter zeigen unaufgefordert Welpen und Mutter zusammen.



Der letzte Welpe…



Unseriöse Züchter präsentieren gern die Welpen einzeln. Der potentiellen Kunden wird leider oft ein erst 5 Wochen alter Welpe als deutlich älter (8 Wochen alt) gezeigt. Man zeigt das Tier einzeln und behauptet dann, es sei der „letzte verfügbare Welpe“ und der zarteste im Wurf! Schauen Sie sich das Verhalten des Tierchens an – es wird unsicher sein. Wollen Sie diesen Welpen nicht kaufen, werden Sie zuweilen zu hören kriegen: Naja! Dann werden wir ihn morgen einschläfern lassen, wenn ihn eben keiner haben will…! Diese Nummer zieht immer und schnell fährt man dann mit gerade diesem Winzling heim.



Sagen Sie aber, Sie haben nicht das Geld für den Welpen gerade dabei, wird man vermutlich anbieten, den Welpen zu „reservieren“ und dafür Ihren Ausweis bis zur Abholung behalten wollen. Eine verbreitete und miese Masche um dafür zu sorgen, dass Sie ganz sicher wiederkommen und den Hund auch abholen!



Die Papiere…



Jeder seriöse Hobbyzüchter und jeder VDH-Züchter wird Ihnen unaufgefordert die Papiere der Elterntiere vorlegen. Wenn es (bei einem Hobbyzüchter) kein Stammbaum ist, so sollten es zumindest die Original Röntgenbelege für HD/ED sein, Untersuchungsberichte für PRA und ein paar weitere gängige Untersuchungen! Dazu gehören auch die Impfpässe der Welpen, soweit schon vorhanden.


Impfpässe werden gern gefälscht! Man kann sie blanko kaufen! Ein gefälschter Impfpass ist oft nur mit Bleistift ausgefüllt. Es steht u.U. kein Tierarzt drin. Die Aufkleber für den Chip fehlen, oder es ist nur ein Aufkleber eingeklebt und die übrigen fehlen!
(Man bekommt i.d.R. 3 weitere Aufkleber mit der Chipnummer dazu). Chargenaufkleber von vermeintlichen Impfungen zeigen oft ein Verfalldatum, was längst überschritten ist an!


Ausstellender Tierarzt? Wie weit ist er vom Sitz des Züchters entfernt? Weit? Dann stimmt etwas nicht. Ein behandelnder Tierarzt sollte immer in der Nähe der Zuchtstätte sein!


Ein seriöser Züchter wird Ihnen gestatten, den Tierarzt zu kontaktieren und nach den Welpen zu fragen!

Leider wissen wir heute, dass es eben auch „geschmierte“ unseriöse Tierärzte gibt. Fragt man um Auskunft, wird man dann unfreundlich behandelt, oder gar abgewiegelt!



Ein letztes Indiz…


Jeder seriöse Züchter wird Ihre Fragen gern und ausführlich beantworten. Er wird Ihnen niemals ausweichen, auch dann nicht, wenn es eventuell „unbequeme“ Fragen sind. Ein unseriöser Züchter wird Sie bei zu vielen Fragen vermutlich unfreundlich rausschmeißen und anpöbeln!



Ein seriöser Züchter wird bemüht sein, seine Welpen an die bestmöglichen Menschen abzugeben. Er wird Sie bitten, den Welpen angemessen zu beschäftigen und Ihnen u.U. eine kleine Infomappe mitgeben, die wichtige Infos zu Fütterung, Eingewöhnung, Impfungen und Besonderheiten enthält.



Es wird ein sauberer, gepflegter und freundlicher Mensch sein, der liebevoll mit den Tieren umgeht und Respekt vor seinen Hunden zeigt!



Vor allem aber wird ein seriöser Züchter Sie mit Fragen regelrecht bombardieren! Er will schließlich wissen, zu wem der Welpe kommt. Wo und wie er leben wird. Wie man den Welpen beschäftigt und ob man auch Zeit, Engagement und Geduld für den Welpen hat. Wenn Sie sich regelrecht „ausgequetscht“ vorkommen, dann ist es goldrichtig!



Kaufvertrag…



Im Normalfall erhalten Sie einen Kaufvertrag mit allen wichtigen Daten zum Welpen und dessen Eltern. Im Kaufvertrag stehen dabei mindestens diese drei wichtigen Klauseln:


a)      Sofortige Rücknahme bei unsachgemäßer Haltung (Ein „guter“ Züchter besucht bei Misstrauen gern mal den  Welpenkäufer…)



b)      Bei nichtbehalten wollen Rücknahme zum halben Welpenpreis



c)      Rückgaberecht bei schwerer Erkrankung des Welpen durch Zuchtmängel zum vollen Welpenpreis!



Beachtet man diese genannten Punkte und hält sich an diese Informationen, dann befindet man sich
beim Welpenkauf schon auf einer sehr sicheren Seite!


Scheut man sich, diese Punkte zu beachten, sollte man schon im Vorfeld vom Kauf eines Welpen absehen.



Bitte beachten Sie: Ein Welpe zum Schleuderpreis bedeutet (fast) immer, dass das Tier bereits in den ersten beiden Lebensjahren deutlich mehr Geld für Tierarztkosten „verschlingt“, als wenn Sie gleich einen teureren Welpen aus guter Zucht erworben hätten!



Last but not least…



Seriöse Züchter werden sich freuen, wenn Sie ein langes Hundeleben lang den Kontakt halten! Der Züchter wird immer wissen wollen, wie es „seinen“ Tieren ergeht und ob sie glücklich und gesund sind! Verantwortung trägt ein guter Züchter nämlich nicht nur bis zur Abgabe des Welpen in seine Familie!

 

 

Herzlichen Dank an Maike Payne, dass ich das oben gezeigte Foto von "Stine" nutzen darf, das ihrem Copyright unterliegt!