ARTHUR - Der "2. Mann" in unserem Haushalt



Arthur“ ein Gigant auf dem Weg in ein neues Zuhause…

 

„Arthur“, „Atze“, „Big A“ oder manchmal auch schmunzelnd  „Butzebärchen“, geboren am 29. April 2008 zog im Februar des Jahres 2013 bei uns ein. Ein Gigant übernahm das Ruder im „Weiberhaushalt“.



Arthur, ein großer, gelber Labradorrüde aus amerikanischer Zuchtlinie und ein waschechter "DUDLEY" (siehe gesonderter Punkt Erklärung Dudley) hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein wundervolles Zuhause. Als sein Frauchen schwer erkrankte und in ein Projekt „betreutes Wohnen“ gehen musste, konnte sie ihren Rüden nicht mitnehmen. Sehr schweren Herzen bat das Frauchen einen Retriever-Tierschutzverein, ein neues Zuhause für Arthur zu suchen.


Wir sahen die ersten Bilder von Arthur und waren begeistert! Im Grunde war es viel zu früh für einen neuen Hund, denn erst Anfang Januar 2013 war unsere geliebte Abby verstorben und wir trauerten noch sehr. Als mein Mann Michael aber diesen
gigantischen Rüden sah, kamen wir doch in´s Überlegen.


Bislang bewohnten nur Hündinnen unseren Haushalt und ich hatte starke Vorbehalte, einen Rüden zu übernehmen. „Mädchen sind anders…“

Erfahrungsgemäß ist es oft so, dass Hundehalter nur Hündinnen halten, oder eben nur Rüden favorisieren. Immerhin gibt es bei einem gemischten Verband immer das Problem, dass Rüden ihre Hündinnen beschützen und mit Besitzansprüchen belegen (und Arthur war nicht kastriert) und umgekehrt sind auch die „Damen“ sehr eigen, wenn es um den Rüden im Verband geht. Wollten wir uns dieser Aufgabe wirklich stellen? Wir wollten…


So zog also im Februar unser erster „Bengel“ ein und der war nun wirklich nicht zu übersehen. Unsere „Damen“ waren nicht wirklich begeistert! Ein unkastrierter Rüde mit leichten Star-Allüren. Ein Platzhirsch mit schnellen Besitzansprüchen.

Shari lebte in den ersten Tagen nur in Panik. Mit eingezogener Rute suchte sie Schutz bei mir und fand plötzlich gut geschützte Ecken einfach nur toll.

Unsere Kara hingegen war ganz Chefin der Domäne und ignorierte den lästigen Eindringling einfach. Lediglich Blicke kassierte ich, in denen eindeutig stand „der wird doch wohl nicht bleiben, oder???“. Wir wussten aber, dass spätestens nach ein paar Tagen Ruhe einkehren würde. Dann würde der Verband langsam anfangen, sich an einander zu gewöhnen.



Arthur war ausgezeichnet erzogen, aber bedingt durch seine bisherige Haltung, ausschließlich auf Frauen fixiert. Wir beschlossen, dass mein Mann Michael mit dem Buben auf den Hundeplatz gehen würde und mit ihm zusammen arbeiten würde. Teamgeist schafft Nähe und Verbindung und so wanderten Herr und Hund bereits ab der 2. Woche von Arthurs Anwesenheit in unserem Haushalt auf den Hundeplatz. Dort zeigte sich, dass der Bursche ein großartiges Lernpotential hat und bald war er der Star auf dem Hundeplatz. 100% verlässlich, abrufbereit und in der Unterordnung einfach grandios!



Daheim allerdings neigte der Bube zu Allüren, die mir persönlich nicht so gut gefielen. Arthur war sehr stark beutetriebig und verteidigte diese Beute auch schärfstens. Das Wort „aus“ saß bei ihm nicht gerade perfekt. Er begann, unsere Hündin Shari auf eine eher unangenehme Art dominieren zu wollen. Es war leider so, dass ich gelegentlich heftig eingreifen musste, weil Atze sich mal wieder über Shari hermachen wollte.


Mein Mann ist im Umgang mit den Hunden großartig, aber aus einer liebevollen Intuition heraus. Signale der Hunde zu lesen und damit kritische Situationen blitzschnell zu erfassen, das ist nicht so sein Ding. Arthur begann, sein Herrchen nicht immer ganz für voll zu nehmen. Von mir kannte der Bube ein schnelles Eingreifen mit der manchmal dringend notwendigen Eindringlichkeit und leichten Schärfe. Ich musste häufiger mal blitzschnell reagieren, um Shari vor einer Arthur-Attacke zu bewahren. Shari reagierte zunehmend unsicher und verkroch sich nach solchen Übergriffen oft sehr lange. So konnte es nicht weitergehen.


Es war Arbeit und zwar recht viel Arbeit, denn Arthur begann, auch unser Haus und speziell das Wohnzimmer unangenehm zu verteidigen. Fremde Hunde in unserem Haus mussten davor bewahrt werden, von Arthur recht ruppig angeranzt zu werden. Mein Mann arbeitete intensiv mit Arthur auf dem Platz, ich erzog daheim und mit der Zeit wurde es ruhiger. Arthur und Shari verstanden sich besser und besser und unsere Kara war ohnehin nie von Arthur angetastet worden. Er nahm diese sehr souveräne und alte Hündin kommentarlos als Chefin des bestehenden Verbandes an und zollte ihr gebührend Respekt.


Bereits im Juni startete mein Mann mit Arthur auf einem Wettbewerb für Unterordnung und Arthur holte sich die erste Auszeichnung mit Bravour. Er lernte und langsam „kam er bei uns an“.

 


Als im August 2013 nach kurzer und sehr schwerer Krankheit unsere Kara starb, musste sich der nun dezimierte Hundeverband neu organisieren. Shari rückte offenbar in der Rangfolge auf und wurde für Arthur zur geliebten und geachteten Gefährtin.


Die Probleme der klaren Dominanz und dazu noch gesundheitliche Probleme bei Arthur begannen, als im September die Hündin unserer Nachbarin läufig wurde. Arthur weinte ganze Nächte und kontrollierte dabei ohne Unterlass sämtliche Eingänge und Türen im Haus. Nachts hörte man ihn im Erdgeschoss „singen“ und das beständige Tappen seiner Pfoten bei den Rundgängen. Es war unheimlich anstrengend…


Unser Haus wurde nun in einem sehr unangenehmen Maß beschützt und Besuchshunde hatten einen durchweg schweren Stand. Arthur begann von der der Couch herunter aus Liegehaltung alles zu attackieren, was vier Beine hatte. Shari wurde wieder ständig dominiert und wir rauften uns wirklich die Haare. Wir stellten alles ab, was Arthur in diesem Verhalten bestätigen könnte und würde. Irgendwann stellte Arthur dann im Liebeswahn auch noch die Nahrungsaufnahme ein. Der arme Kerl hatte Stress. Sein Testosteronspiegel stieg und stieg und damit war er natürlich auch in gewissen Verhaltensmustern gefangen. Es ist eben die Natur eines Rüden. Böse kann man deswegen nicht sein.



Als ich im Wohnzimmer auf unseren weißen Fliesen kleine, helle Blutstropfen fand, dazu charakteristische hellgelbe Flecken und dann auch noch bemerkte, dass Arthur tiefblaue Hoden hatte, war es an der Zeit, eine Klinik mit dem Buben aufzusuchen.


Meine Befürchtungen erwiesen sich als richtig: Arthur litt an einer hochgradigen Prostatahyertrophie. Der Tierarzt in der Klinik riet dringend zu einer Kastration, zumal der Verdacht da war, dass Arthur an einem Prostata-Tumor erkrankt war.



So wurde unser Bube im November 2013 kastriert. Er überstand die OP ausgezeichnet und alles verheilte schnell und ohne Probleme. Bei den Voruntersuchungen zur Narkose stellte sich allerdings heraus, dass Arthur an einer Klappeninsuffizienz des Herzens leidet. In seinem Alter und bei seiner Größe für einen Hund nicht unbedingt unnormal und im Regelfall gut behandelbar. Die OP erfolgte also unter den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen. Alles war gut.



Tatsächlich veränderte sich Arthur nach der Kastration ausschließlich positiv. Mit anderen Rüden hatte er draußen nie ein Problem und nach der Kastration hat er es auch nicht. Der Umgang mit Shari ist sanft geworden. Arthur hört noch besser, als ohnehin schon und seine Konzentration bei „der Arbeit“ ist nun nicht mehr geprägt von Junggeselleninstinkten.


Ganz selten noch scheint sich unser Bube daran zu erinnern, dass er eigentlich eine Testosteronbombe ist, bzw. war. Dann flammt schon mal ansatzweise das alte Boss-Gehabe auf. Allerdings gibt es keine Übergriffe auf Shari mehr und Besuchshunde werden höflich behandelt und Sofa und Wohnraum werden freundlich geteilt. Noch immer ist Arthur ein Wachhund, was unser Haus betrifft, aber das ist gut so.


Unser Junge ist sehr liebevoll und schmusig geworden und so gestatteten wir ihm Anfang 2014, unser Schlafzimmer mit uns und mit Shari zu teilen. Es geht gut!



Arthur ist ein großartiger Rüde. Ein Gigant mit einem zärtlichen Herzen. Aus seinem früher etwas scharfen Blick ist heute ein sanfter, liebevoller und typischer Labrador-Blick geworden. Arthur liebt Herrchen. FALSCH! Er betet Herrchen an und folgt ihm auf Schritt und Tritt. Es ist Michaels Herzenshund durch und durch.


Ich liebe unseren „Butzebären“ sehr. Bekennend werde ich zwar Hündinnen immer vorziehen, weil ich sie vielleicht besser verstehe, aber unseren Buben liebe ich aus ganzem Herzen. Er hat einen großartigen Charakter und liebt Menschen sehr. Arthur ist ein wunderbarer und toll erzogener Begleiter und er ist der sehr geliebte Partner von Shari, die ihn locker um die braune Pfote wickelt.


Wir haben keinen Tag bereut, uns zum  Projekt „Rüde im Haus“ entschieden zu haben. Arthur ist ein geliebtes Mitglied unseres Haushaltes. Wir möchten nicht ohne ihn leben und haben ihn sehr, sehr lieb!



 ARTHUR – geboren 29.04.2008