SHARI - Eine wilde Hummel startet durch...



SHARI – und der „Wahnsinn“ bekam einen Namen…


Shari, oder auch „Puper“, wie wir sie gern nennen.

Ja! Über sie könnte ich ein ganzes Buch verfassen…!



An einem Samstag, Anfang September 2011, suchte ich für einen Bekannten, dessen Hündin gerade verstorben war, im Tierschutz nach einem „passenden“ Hund. Mehr durch Zufall ging ich dabei auf die Seite eines mir bekannten Tierschutzvereins, um nach einer älteren Hündin zu schauen. Dort sah ich einen noch ganz frischen Wurf brauner Labrador-Welpen mit einem einzelnen gelben Welpchen in der Mitte. Ich war begeistert. Wenn ich ehrlich bin, schießt mir bei einem solchen Anblick sofort die Milch ein. Auch nach so vielen Jahren bin ich absolut nicht „welpenresistent“.

 

Ich erzählte meinem Mann von dem niedlichen Wurf und der wollte natürlich auch sofort die Bilder anschauen.

Zu diesem Zeitpunkt war unsere Hündin „Nori“ fast genau ein Jahr tot und innerhalb dieses Jahres hatten wir uns diverse Labradorhündinnen angeschaut, konnten uns in letzter Instanz jedoch nie dazu entschließen, einen neuen Hund bei uns einziehen zu lassen.


Ich erinnere mich noch heute gut an diesen Samstagabend. Irgendwann später an diesem Abend - wir lagen schon im Bett – sagte mein Mann plötzlich in die Dunkelheit hinein: Bewirb dich morgen für einen Welpen, ja?

 

Fassungslos, sprachlos und total verwirrt lag ich stumm neben Michael. In meinem Kopf ratterte es. Sind wir nicht vielleicht doch zu alt für den Stress mit einem Welpen? Sind wir bereit für eine solche Herausforderung? Sind wir innerlich nach Nori´s Tod bereit für einen neuen Hund? So viele Fragen und ich antwortete meinem Mann in dieser Nacht nicht…


Bereits am nächsten Morgen beim Frühstück war das Thema wieder auf dem Tisch. Wir mussten im Grunde nicht mehr so lange darüber reden. WIR WOLLTEN! Also setzte ich mich an den Computer und schrieb eine Bewerbung für eine kleine Hündin aus dem Wurf.

 

Schon auf den Fotos der Homepage hatte ich mich (warum auch immer, denn noch sahen alle irgendwie „gleich“ aus) in einen Welpen mit einem dunkelrosa Halsbändchen verliebt. (Dabei wusste ich noch nicht mal, ob es überhaupt ein „Mädchen“ war – naja… rosa sprach irgendwie dann doch dafür…)


Sehr bald kam eine Antwort: Wir dürfen einen Welpen haben! Im dortigen Verein lag bereits aus der Zeit vorher eine Bewerbung für eine andere Hündin vor, die wir jedoch nicht übernommen hatten. Eine Vorkontrolle hatte bereits stattgefunden. Alle Papiere waren also zusammen. Ich erfuhr, dass der Welpe mit dem dunkelrosa Halsbändchen „Molly“ hieß und dass sie nun für uns reserviert sei. Allerdings sollten wir den Wurf doch mal besuchen und die Kleinen „en nature“ anschauen, was in jedem Fall richtiger ist.

 

Langer Rede, kurzer Sinn: Wir besuchten die Welpen. Wir waren total begeistert und entschieden uns für „Molly“. Uns beeindruckte nicht nur der wunderschöne Wurf, sondern auch dessen Geschichte.

 

In dem Tierschutzverein war eine Vermehrerhündin übernommen worden, die das süße Geheimnis der Schwangerschaft mit in die Freiheit nahm. Daraus entstand eben dieser Wurf.

 

Die Pflegefamilie, die die Mutterhündin und nun auch den Wurf betreute, arbeitete dabei so äußerst liebevoll und kompetent, dass wir sehr, sehr berührt waren. Man muss sich vorstellen, dass eine ganze Familie für diesen Wurf das Privatleben von unten nach oben kehrt. Das Wohnzimmer zum Welpenzimmer umrüstet, wischt, wäscht, schrubbt. Mama und Babys liebevoll versorgt und dabei einen „24-Stunden-rund-um-die-Uhr-Dienst versieht“. Jeder in der Familie zieht mit, opfert die gesamte Freizeit und ist dabei auch noch sanft, liebevoll und immer ruhig und sehr, sehr geduldig, was angesichts dieser Rasselbande eine echte Herausforderung war!

GROßARTIG!!!


Mitte November zog unser Welpe endlich bei uns ein. „Molly“ bekam von uns den Namen SHARI – ein afrikanisches Wort für „Königin“ oder „weites Land“.


Es ist beileibe nicht so, dass wir keine Erfahrung mit Welpen gehabt hätten, aber die nun folgende Zeit mit Shari warf alles über den Haufen, was wir je erlebt haben in Zusammenhang mit Hundebabys.


Eigentlich schlafen Welpen etwa 20 Stunden am Tag und vier Stunden sind sie mobil. Nicht so Shari! Irgendwie muss sie sich bei der Vorbereitung auf das Erdenleben „verhört“ haben. Eine Verwechslung vielleicht??? Shari war 20 Stunden am Tag wach und schlief vier Stunden. Noch heute werde ich leicht schnappatmig, wenn ich daran zurückdenke.


Wir ließen sie anfangs in einem Kinder-Gitterbettchen neben unserem Bett schlafen. Shari quakte. Shari brüllte. Shari kaute und spielte. Schlafen wollte Shari nicht..! Irgendwann nachts hat sie dann das Unmögliche geschafft und ist über den Rand des Gitterbettchens geklettert und fiel mit einem satten „PLOPP“ auf unser Bett. Dort rollte sie sich zusammen und… schlief.


Die Anschaffung einer Box wurde unumgänglich. Der Nerventerror währte nur wenige Wochen, dann hatte die kleine Krawallschachtel begriffen, dass man in der Box neben dem Bett toll schlafen kann. Naja! Eher ein „Schläfchen“ machen. Manchen Tag waren wir ab 4.00 Uhr auf den Beinen, saßen mit verquollenen Augen in der Küche bei einer ersten Verzweiflungs-Zigarette und warteten auf den Bäcker, der die Brötchen für unser Hotel lieferte. Etwas essen, die Gäste versorgen. Dann die großen Hunde raus. Ich schlief -auf dem Küchentisch mit dem Kopf liegend-  ein und Shari… verkroch sich in einen Bademantel im Schlafzimmer und schlief – ein Stündchen!


Sie wuchs und sie wuchs schnell und damit steigerten sich ihre Aktivitäten. Erst lernte sie, dass man im Wohnzimmer vom Sessel aus in die Fensterbank steigen konnte und dort aus einer Gießkanne Wasser „tanken“ konnte. Dann lernte sie, dass man in der Küche nur auf einen Stuhl steigen musste, um von dort auf die Arbeitsplatte zu gelangen, Richtung Brotkasten wandern konnte und dort mit der Nase nur den Brotkasten öffnen musste, um an ein zweites Frühstück zu gelangen. Toll war auch, sich einfach auf einen Stuhl zu setzen und dann am Küchentisch mit den Menschen sitzen zu bleiben…


Der Wahnsinn nahm also seinen Lauf.


Ich gestehe es mit einem Schmunzeln: Mehrfach in dieser Zeit fragten wir uns, warum wir uns „das“ nur angetan haben.

Aber unsere Shari ist einfach umwerfend und mit einem natürlichen Charme ausgestattet, der einem den Atem rauben kann.


Nach knapp einem dreiviertel Jahr, Im Juli 2012 war Shari erstmalig läufig. Leider gerade zu der Zeit, wo wir das Hotel verkauft hatten und in unser neues Privathaus zogen. Aber unsere Maus hat diese Zeit gut weg gesteckt. Friedlich, lieb und ausgeglichen packte sie den Schritt in ihr Dasein als erwachsene Hündin. Erwachsen? Naja! Doch – so ziemlich, denn inzwischen mauserte sich Shari zu einer wohlerzogenen und eher ruhigen Hündin mit einem sehr schönen und ausgeglichenen Temperament und einem äußerst liebevollen und zärtlichen Wesen.


Unsere Hündin „Abby“ hatte die Erziehung von Shari prima in der Pfote. Als altgediente Mama wusste Abby mit der Kleinen wunderbar umzugehen und so war es im Grunde nicht weiter verwunderlich, dass Shari sich viele Eigenschaften von Abby zu eigen machte und sich unter deren Führung und Anleitung zu einer sanften, respektvollen und sehr verschmusten Junghündin entwickelte.Bis dahin war es aber ein weiter Weg und Shari piesackte nicht nur Abby, sondern trieb unsere Kara schier in den Wahnsinn. Gottlob war Kara eine ruhige Hündin. Jede andere Mitbewohnerin dieses Hundeverbandes hätte der kleinen Krawallschachtel vermutlich ohne viel Getue einfach den Kragen umgedreht...



Als wir Shari aus dem Tierschutz übernahmen, wussten wir, dass das Risiko schwerwiegender Erkrankungen absolut nicht auszuschließen war, denn Shari stammte aus einer völlig unkontrollierten Zucht. Wir waren (und sind) immer bereit gewesen, uns dieser Verantwortung im vollen Umfang zu stellen. Wir hatten für Shari von Anfang an eine Krankenvollversicherung bei der AGILA und das erwies sich als allerbeste Entscheidung!


Gesundheitliche Probleme gab es bei Shari schon sehr früh. Alles begann mit chronischen Entzündungen der Ohren. Es dauerte fast zwei Jahre, ehe wir diese „Baustelle“ im Griff hatten. Shari ist Allergikerin und manche der Allergene legen sich regelrecht auf die Ohren und machen sich dort als vermehrter, begünstigter Pilzbefall bemerkbar.


Sharis Ohrerkrankungen wurden so schlimm, dass die Sehnerven in Mitleidenschaft gezogen wurden und sie zeitweise kaum noch sehen konnte. Eine Odyssee von Arztbesuchen begann. Spezialisten wurden zu Rate gezogen und das Tier wurde unentwegt untersucht und behandelt.


Endlich waren alle Allergien lokalisiert. Der Pilzbefall der Ohren war wirkungsvoll eingedämmt und die Sehkraft wurde wieder Stück für Stück besser. Eine komplette Umstellung des Futters nahmen wir vor. Shari lebte nach 2 Jahren endlich ohne jegliche Medikamente…!



Am 1. Januar 2013 dann, zog sich Shari im ersten Neuschnee des Jahres eines Kreuzbandriss an der linken Hinterhand zu. Erst humpelte sie nur und in der Tierklinik vermutete man, dass sie sich den Hinterlauf einfach nur „vertreten“ hat. Das Humpeln kam aber immer wieder. Kurz nach dem Tod unserer Hündin Abby am 4. Januar, ließen wir Shari in der Klinik röntgen und baten darum, dass man einen „Schubladentest“ macht. Das ist ein Test, bei dem in Narkose die Gelenke so „verschoben“ werden, dass man einem Abriss des Kreuzbandes durch fehlende Funktion erkennen kann. Bänderrisse sind auf Röntgenaufnahmen nicht sichtbar, da die Bänder strahlendurchlässig sind.


Im Februar bekam Shari in einer langen Operation einen kompletten Bandersatz. Was das für einen Hund –und noch dazu für eine erst 1,5 Jahre alte Junghündin- bedeutet, das weiß nur, wer es schon mal erlebt hat.

Das Tier darf sich nicht bewegen! Shari lag wochenlang fixiert mit einer 1,5 m Leine auf ihrem Kissen im Wohnzimmer. Die Leine war dabei an einem Heizkörper fixiert, damit Shari nicht herumlaufen konnte. Nur winzige Schritte in den Garten, um sich dort zu lösen, waren erlaubt. Nachts schliefen wir abwechselnd im Wohnzimmer, um bei Bedarf immer für Shari da sein zu können und helfend eingreifen zu können, falls es nötig war.


Unser Mädchen war dabei so unglaublich brav! Sie meckerte nicht, zerstörte nichts aus Frustration und war immer geduldig und ruhig. Nur ihre Augen schauten oft traurig, wenn Kara und Arthur mit meinem Mann laufen gingen und die Maus daheim bleiben musste. Da halfen dann auch keine besondere Schmuseeinheit und kein Super-Sonder-Leckerchen.


Endlich im April 2013 durfte ich beginnen, wieder kleinere Runden an der Leine mit ihr zu laufen. Immer schön bergan, damit sie die Schonhaltung des Beines aufgibt. Physiotherapie bekam sie zusätzlich und dann endlich im August 2013 durfte sie wieder normal laufen, rennen und spielen. Die Angst blieb aber noch, dass das neue Band nicht halten würde. Zudem bekommen sehr, sehr viele Hunde innerhalb der ersten 365 Tage nach der Kreuzband-OP einen Bänderriss am anderen Bein,
hervorgerufen durch die Überlastung.

Innerlich wischten wir uns den Scheiß von der Stirn: Geschafft! Aber das war es noch nicht! Die pathologischen Untersuchungen des zerstörten Kreuzbandes hatten gezeigt, dass Shari für ihr so junges Alter komplett überalterte Sehnen und Bänder hat. Die Gelenke waren in katastrophalem Zustand. Schwere ED und beginnende HD und ein großes Fragezeichen, ob eine Spondylose den Rücken im hinteren Teil betroffen hat.


Zu diesem Zeitpunkt war Shari zwei Jahre alt und hatte in dieser Zeit bereits etwas über 5.000 Euro an Tierarztkosten „verschlungen“. Immer an unserer Seite war die AGILA-Krankenversicherung, die alles zahlte und mit größter Geduld die immer neuen und immer höheren Rechnungen beglich. Inzwischen hatten wir begonnen, einen Teil der Rechnungen selbst zu zahlen, um die Krankenversicherung nicht unnötig weiter zu belasten, denn die als Einzelposten größte Rechnung stand noch an.


Wir informierten uns nochmals sehr, sehr gründlich bezüglich der kaputten Gelenke und kamen zu dem Entschluss, Shari  „vergolden“ zu lassen. Der Spezialist in Deutschland dafür ist Dr. Schulze im Kamen. In seiner Praxiswerden in die Gelenke direkt in die Akupunkturpunkte kleine, hochkarätigeGoldstifte eingesetzt. Durch die Stimulation der Akupunkturpunkte wird das Tier schmerzfrei. Zudem wirkt das Gold in den Gelenken  wärmend und entzündungshemmend. Die ED/HD geht davon nicht weg. Aber: Der Krankheitsverlauf wird aufgehalten, da das Tier komplett schmerzfrei ist und eine weitere Verschlechterung der Gelenke durch Schonhaltungen der Beine wegfällt.


Im Februar 2014 war es dann soweit. Die AGILA würde auch hier alle entstehenden Kosten komplett übernehmen und so machte ich mich -nach Vorgesprächen mit Dr. Schulze und einer Wartezeit auf einen Termin- mit Shari auf den Weg nach Kamen zum Eingriff.



Shari überstand die Narkose und den Eingriff bestens. Es wurden sowohl die Vorder- als auch die Hinterbeine in den Gelenken vergoldet. Dazu kamen die Hüften. Preis des kompletten Eingriffs? Knapp 1.800 Euro! Bereits nach zwei Tagen hatten wir einen „neuen Hund“. Shari läuft seitdem völlig problemfrei. Sie hüpft aufs Sofa, wo sie vorher nur mühevoll klettern konnte. Treppen machen ihr kein Problem mehr und sie darf sie laufen!


Mit wehenden Ohren läuft Shari in den ersten Frühling ihres Lebens ganz ohne Schmerzen. Sie spielt und tobt und rennt mit Arthur und… sie ist glücklich!


Endlich sind alle körperlichen „Baustellen“ behoben. Shari hat in diesen schweren Jahren immer nur Geduld, Liebe und ein unendlich sanftes Wesen gezeigt. Sie ist eine großartige Hündin! Verschmust, sanft und gottseidank manchmal auch noch ein kleiner Schelm. Sie ist die Hündin von all unseren Hunden, die am kommunikativsten ist.


Shari kann sich wunderbar ausdrücken und manchmal „schnattert“ sie uns den ganzen Tag die Ohren voll. Sie ist zauberhaft und… sie ist mein Herzenshund. Bei allen Problemen haben mein Mann und ich niemals auch nur einen Moment gezweifelt, dass unsere Entscheidung für Shari falsch gewesen sein könnte. Mit ihrer Liebe, ihrem großen Sanftmut und ihrem unendlich fröhlichen Wesen bereichert die kleine Schokolette jeden einzelnen unserer gemeinsamen Tage.


Wenn sie abends bei mir auf dem Sofa liegt, auf meinem Schoss und wunderbar zarte, kleine Laute des Wohlbehagens von sich gibt, dann geht mein Herz auf. Stunde um Stunde lässt sie sich schmusen, kraulen, streicheln und küssen. Ihre klugen braunen Augen schauen zu uns  auf und sehen sehr, sehr zufrieden aus. Auch wir scheinen unsere Sache gut zu machen…

 

Nachts, wenn sie bei mir, oder meinem Mann im Arm eingerollt schläft, dann fühlen wir die große Liebe zu dieser so besonderen und einzigartigen Hündin. Aus der kleinen Krawallschachtel ist eine großartige, anmutige und ganz zauberhafte Hündin geworden. Klug, lernwillig, sanft. Ein Traumhund eben. Unser Traumhund! Wir lieben sie sehr (naja – eigentlich bete ich sie an, aber d a s  darf sie niemals erfahren…)

 

Was wir uns wünschen? Ein hoffentlich ganz, ganz langes gemeinsames Leben mit Shari, unserer kleinen Krawallschachtel, dem Sauerländer Rollbraten, Puper, Scherchen, oder einfach... unser Liebling!



 

SHARI - geboren 29. August
2011