ABBY - Wenn Liebe einen Namen hat...



Es gibt Menschen, die sagen, auf der Erde gäbe es Engel. Wenn es so wäre, würdest du einer von ihnen gewesen sein…!



Wer war Abby?

Es ist vielleicht mit unser größter Kummer, dass wir eigentlich nichts von Abby wussten.

 

Als sie zu uns kam, hatte sie keinen Namen, ihr Alter war unbekannt. Abby war eine ehemalige Zuchthündin. Ausgebeutet von kommerziellen Großzüchtern um deren Geldbörsen zu füllen und ebenso ausgenutzt von Menschen mit einer „Geiz ist geil“-Mentalität, die den billigen Welpen einer Modehundrasse kaufen wollten. Abby diente als „Gebärmaschine“, auch wenn es Vermutungen gibt, dass unser Mädchen vielleicht mal in einer Familie gelebt haben könnte.



Abby kam am 1. Juni 2008 zu uns. Sie zog als Pflegehund eines Retriever-Vereins bei uns ein, für den wir damals als Pflegestelle ehrenamtlich tätig waren.
Wie ein Wirbelwind purzelte diese Labradorhündin in unser Leben. Wie ein Panzer walzte sie durch unsere Räume und eroberte unsere Herzen im Sturm. Fröhlich mit dem Popo wackelnd, immer in strahlender Laune, liebevoll und unglaublich verfressen bescherte uns Abby eine fröhliche Zeit.
Und da sie meinem Mann Michael so unglaublich gut gefiel, erhielt sie den Namen „ABBY“ hebräisch für „Vaters Freude“ und das war sie dann auch wirklich!



Für uns unfassbar war es offenbar unmöglich, Abby innerhalb des Retriever-Vereins zu vermitteln. Warum? Wir wissen es nicht und heute denken wir, dass es einfach Bestimmung war, dass niemand sich für diese so großartige Hündin interessierte.
So kam es, dass ich Abby meinem Mann zum 49. Geburtstag im August 2008 schenkte und damit unser 3. Hund Einzug bei uns hielt. Eine Entscheidung, die wir niemals bereuten! Es schien Vorsehung zu sein...



Abby war ein zauberhaftes Wesen. Mehr Kind, als Hund. Nie erlebten wir eine Hündin, die so voller Zärtlichkeit und Liebe schmuste. Einen Hund, der den großen Kopf an unseren Hals schmiegte, kuschelte und dann seufzend die Augen schloss, um nur einfach zu genießen. Sie wollte nicht spielen und nicht toben, Sie wollte einfach immer nur kuscheln, gestreichelt und geschmust werden. Nie war sie seliger, als wenn man sie in den Arm nahm, an sich drückte und ihr das Schnäuzchen küsste.


Immer freundlich, fröhlich und völlig ohne Arglist war Abby eine großartige Begleiterin. Wer sie kennen lernte, mochte sie. Die meisten Menschen aber liebten sie. Selbst Leute mit größter Angst vor Hunden schmusten nach bereits kurzer Zeit intensiv mit ihr.


Besonders liebte unser Mädchen Kinder. Winzlinge, wie auch größere Kinder. Mit unendlicher Zärtlichkeit und größter Ruhe ließ sie sich alle Berührungen gefallen, auch wenn die kleinen Händchen mal etwas ruppiger wurden. Niemals haben wir Abby erlebt, dass sie –egal, in welcher Situation auch immer- mit Schärfe, Drohung oder gar Aggression reagiert hätte!

 

Als im Herbst 2011 unser Welpe "Shari" bei uns einzig, übernahm Abby wie selbstverständlich die Mutterrolle für das Baby. Mit größter Liebe, Fürsorge und Geduld "erzog" Abby unsere Shari. Zur Folge hatte es, dass wir heute mit Shari eine Hündin haben, die in ganz vielen Bereichen Abby ungemein ähnelt und gleicht. Vielleicht war das ja Abby´s Abschiedsgeschenk für uns?

Denn...

 

Im Herbst 2012 kam der Moment, in dem wir merkten, dass mit unserem Mädchen etwas nicht stimmte. Sie wurde müder und sie alterte in den Gesichtszügen stark. Wir schoben es noch auf das Alter. Als wir Abby 2008 übernahmen, hieß es, sie sei 2-3 Jahre alt. Nach tierärztlichen Untersuchungen und dem Zustand ihres Körpers und speziell des Gebisses, mussten wir im Jahr 2012 davon ausgehen, dass Abby bereits mindestens 10 Jahre alt ist, eher aber wohl deutlich darüber.


Im Dezember war dann der Moment gekommen, wo wir Abby wieder in die Tierklinik brachten, um die Blutwerte erneut zu kontrollieren.
Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits seit etwa 5 Monaten nachts sehr, sehr unruhig. Da wir im Sommer in unser neues Haus gezogen waren, schoben wir diese Unruhe auf die Umgewöhnung und daran, dass ihre Augen sehr, sehr schlecht wurden und die Vermutung nahe lag, dass Abby fast blind war.Sie konnte nicht mehr in die 1. Etage in unser Schlafzimmer gelangen und wir dachten, dass sie einfach noch mehr Eingewöhnungszeit benötigen würde. Mein Mann Michael und ich wechselten uns nachts immer ab, damit einer von uns unten im Erdgeschoss bei Abby schlafen konnte, wenn diese wieder unruhig wurde und „weinte“.


Zudem hatte Abby im Zeitraum vom September 2012 bis zum Dezember 2012 die gewaltige Menge von 8 Kilogramm  zugenommen, obwohl ich immer auf eine gesunde Ernährung und schlanke Hunde achte. Ich wusste, dass es dafür einen Grund geben musste und dass dieser Grund alles, nur nicht gut sein würde!
Zu diesem Zeitpunkt  war es dann aber so weit, dass wir kaum noch zwei Stunden am Stück schlafen konnten. Abby beruhigte sich nicht mehr und sie begann zu jammern, zu weinen und endlos zu „wandern“. Selbst am Tage kam sie nicht mehr zur Ruhe und ich hatte das starke Empfinden, dass sie Schmerzen hat und mir dieses auch „sagte“.



Die Blutwerte ergaben keinerlei Auffälligkeiten außer einer leichten Unregelmäßigkeit der Schilddrüsenwerte. Abby bekam bereits seit zwei Jahren Schilddrüsenhormone und so machten wir uns deshalb keine Sorgen. Wir machten einen weiteren Termin in der Klinik für den zweiten Montag im Januar aus, damit unser Mädchen geröntgt werden würde, um eventuelle innere Krankheiten abklären zu können. Bis zu diesem Termin schaffte es Abby nicht mehr!


Am Freitag vor dem Termin ging es ihr so schlecht, dass wir in die Klinik fuhren. Sie kam in Narkose und wurde dann gründlich geröntgt. Das Ergebnis war mehr als niederschmetternd! Abby hatte einen riesigen Tumor von etwa 25 Zentimetern Durchmesser im hinteren Bauchraum. Metastasen in der Größe einer Walnuss hatten sich in den Lungen, den Nieren, am Rücken, in der Milz, in der Leber und an vielen anderen Stellen gebildet. Unser Mädchen war vom Kopf bis zu den Füssen von bösartigem Krebs regelrecht "zerfressen".


Unser Herz, unser Verstand, unsere Arbeit im Tierschutz – aber vor allem die so große Liebe zu Abby sagten uns, dass wir sie gehenlassen müssen und so wachte unser geliebtes Mädchen aus der Narkose nicht mehr auf!
Sie starb schwer und das tut uns so unendlich weh! Mit der letzten Spritze bekam Abby auch noch einen unglaublich schweren epileptischen Anfall. Es dauerte nicht lange, sie spürte davon nichts mehr, aber es war doch so unnötig…!


Wir nahmen unser Mädchen mit heim. Unsere beiden verbliebenen Hunde nahmen Abschied und es war bitterlich schwer und der Anblick zerriss uns fast. Abby wurde zur Einzelkremierung einem Tierkrematorium übergeben.



Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an eine ganz, ganz einzigartige Hündin. Eine Schönheit an Geist und Seele. Der Geruch nach Baby, der immer um unsere Abby war. Die Erinnerung an ihre große Zärtlichkeit, ihre so wunderschönen Augen, "Teetassenaugen" wie wir sie nannten und ihre Liebe, die uns alles verzieh. Die Erinnerung an eine Hündin, die wir an keinem Tag unseres gemeinsamen Lebens mit schlechter Laune, Unfreundlichkeit, oder Gereiztheit erlebt haben.



Sie fehlt uns so sehr!


Manchmal ist es mir, als würde ich in der Nacht die Schritte ihrer wundervollen großen und runden Pfoten im Erdgeschoss hören, wie bei einem nächtlichen Kontrollgang. Noch heute spüren wir sie in unserer Nähe und manchmal ist es mir, als fühlte ich ihren warmen Atem in meinem Nacken und als hörte ich ein leises Seufzen an meinem Ohr.



Wir haben Dich sehr, sehr lieb und in unseren Herzen wirst Du immer sein. Du wirst uns weiter begleiten und unsere weise und besonnene Lehrerin sein. Du wirst in den Blättern unseres Ahorns rauschen, unter dem Du so gern gelegen hast.
Und wenn der Sommer kommt und das Gras sich auf unseren Bergwiesen im Sommerwind wiegt, dann wird es uns so sein, als sähen wir Dich wieder fröhlich über die Wiesen laufen, mit wackelndem Popo und Deinem unverwechselbaren "Grinsen" im Gesichtchen.

Du fehlst uns so unendlich…

 

ABBY - geboren ??? - gestorben am 04.01.2013

Die Nacht ist am dunkelsten, bevor die Sonne aufgeht...

Über dem Sauerland leuchtet ein neuer, heller Stern!

 

 

 

Das wundervolle Foto von Abby auf dieser Seite verdanken wir meinem sehr geschätzten Freund Andreas Berger, der am 3. Oktober 2013 für uns alle unerwartet, viel zu jung und tief betrauert in Hamburg verstarb.