Kara´s Leben in einem Brief an sie

Liebste Kara!

 

oder:

 

Liebstes Pillchen, Lotte, Muschelmonster-Mieselfratz...

 

Du hattest so viele Namen bei uns!

 

Du wurdest am 18. April 2003 geboren. Schon etwas vorher war bei uns die endgültige Entscheidung gefallen, dass wir gern einen Hund hätten. Sowohl Michael, als auch ich, hatten ja schon ein wenig Hundeerfahrung und so wollten wir uns gern dieser Aufgabe stellen. Am meisten freute sich aber das "Junior-Frauchen" Claire über die Entscheidung.

 

Für mich warst Du ein wenig ein "Rettungsanker". Meine so geliebte Mutter war gerade verstorben und ich war so unglaublich traurig. Du wurdest gezeugt an dem Tag, als meine Mutter diese Welt verließ.

 

Wir bereiteten Deine Ankunft so liebevoll vor und so völlig wahnsinnig. Du solltest alles haben, was so ein winziges Hundeherz begehrt und vor allem solltest Du all unsere Liebe bekommen für ein langes und glückliches Hundeleben. Wir waren alle schwanger - durch und durch.

 

Du zogst ein als ein Winzling im Juli 2003. Neugierig schauten Deine tiefbraunen Knopfaugen in diesen ersten Sommer Deines Lebens. Wir hatten ganz viel Urlaub genommen und konnten so die ersten 8 Wochen komplett und rund um die Uhr mit Dir verbringen. Du brauchtest nicht viel Zeit, um uns völlig um die Pfote zu wickeln. Schon nach wenigen Wochen war es Dir gelungen, Herrchen davon zu überzeugen, dass Du abends nur dann einschlafen kannst, wenn Du vorher aus Herrchens Zahnglas Wasser trinken durftest. Du warst ein winziger Charmebolzen und hattest schon von Anfang an einen recht hartnäckigen Charakter. Wenn Du eingeschnappt warst, dann konntest Du über einen Zeitraum von drei Tagen nicht mit uns "sprechen".

 

Mit 12 Wochen begann die Schulzeit für Dich und Du zeigtest Dich als eine tolle Schülerin (wenn Du wolltest). Wir waren immer sehr stolz auf Dich!

Du hast uns in´s Büro begleitet und dort zeigtest Du uns, dass Du alle für einen Labrador typischen Eigenschaften hattest. Brav hast Du unsere Gäste begrüßt und nie warst Du aufdringlich.

 

Am ersten Silvester Deines Lebens wurdest Du heiss und damit begann eine Tragödie, die Dich ein ganzes Leben zeichnen sollte.

 

Es ging Dir nicht gut und in der Zeit nach der Hitze wurdest Du immer stiller, freudloser und lethargischer. Unser Tierarzt riet dazu, Dich kastrieren zu lassen und wir ließen uns überzeugen, auch wenn unser Bauchgefühl uns von dem Eingriff abriet.

 

Du warst ein Jahr alt, als die OP stattfand. Es ist lange her und es gab damals noch keine Inhalationsnarkosen. Du hattest einen Herzstillstand und sie bekamen Dich nicht aus der Narkose. Zu lange dauerte der Kampf um Dein Leben. Zu lange, um das Gehirn mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Du kamst zurück, aber Du warst nie mehr, wie Du vorher warst.

 

Dennoch lerntest Du alles neu und schon wenige Zeit später hast Du sogar den Wesenstest im Labrador Club Deutschland mit Bravour bestanden.

 

Die Zeit verging. Körperlich entwickeltest Du Dich ausgezeichnet. Du warst so wunderschön! In Deinem Kopf war aber irgendwie alles durcheinander. Du konntest nur sehr schwer Bindung entwickeln. Einzig zu Claire, dem Junior-Frauchen, hattest Du ein enges Verhältnis. Du wurdest zu einem Sonderling, einem Einzelgänger. Immer brav, immer folgsam. Ein großartiger Hund, aber bindungsfrei.

 

Ich habe so viele Tränen geweint, weil ich immer das Gefühl hatte, ich hätte bei Dir völlig versagt. Wollte ich Dich liebevoll streicheln, standest Du auf und gingst. Es tat so weh und ich kämpfe so sehr darum, dass Du mich liebst. Du hast gehorcht und wir waren gern zusammen, aber dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass ich Dir wirklich etwas bedeute. Meine Liebe zu Dir blieb aber in all den Jahren Deines Lebens gleich groß und gleich stark.

 

Im Jahr 2007 kam "Nori" zu uns. Wir hofften, dass eine vierbeinige Gefährtin Dir gut tun würde. Nein! Du ignoriertest Nori und zogst Dich auch weiterhin zurück. Du liebtest es, Deine Zeit allein im Garten, versteckt unter Bäumen und Büschen zu verbringen. Du wolltest auch nicht bei uns schlafen.

Einzig bei Claire, da warst Du ungemein gern. Bei ihr hast Du auch gern Deine Nächte verbracht. Geborgen in ihren Armen schliefst Du warm, sicher und geborgen und... glücklich.

 

In den Jahren, in denen wir das Hotel hatten, wie auch in den Jahren zuvor und der Zeit danach warst Du immer leise, still und geduldig an unserer Seite. Wo wir waren, da warst auch Du klaglos bei uns. In neue Situationen fandest Du Dich gelassen ein und nahmst sie in Frieden und Gleichmut an. Manchmal sah man Dich einen ganzen Tag über kaum. Du suchtest nicht unsere Nähe. Es reichte Dir das Wissen, dass wir da sind. Geduldig ließest Du Dir den Kopf streicheln und einen Kuss geben, aber dann bist Du auch schon wieder gegangen.

 

Im Frühsommer 2013 merkte ich, dass es Dir nicht gut zu gehen schien. Du hecheltest oft und Deine wunderschönen Augen sahen häufiger gequält aus und traten leicht aus den Höhlen. Wir brachten Dich in die Tierklinik und ließen Dich untersuchen. Medizinisch warst Du immer schon gut versorgt und es gab natürlich in jedem Jahr einen Rundum-Check und ein Cardioscreen. Im Vorjahr war noch alles bestens. Im Frühsommer 2013 nicht mehr...


Die Diagnose war für uns niederschmetternd: Du hattest einen schnell fortschreitenden und schweren Herzschaden. Deine Lunge hatte sich bereits zu 2/3 aufgelöst, die Leberwerte waren 8-fach erhöht und die Nieren arbeiteten auch nicht mehr perfekt.

 

Wir konnten und wollten nicht kampflos aufgeben und nach Rücksprache mit den Ärzten wurdest Du mit Medikamenten versorgt, die Dir das Leben erleichtern sollten. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Die Medikamente würden helfen und Du würdest noch eine gute Lebenszeit gewinnen, oder die Medikamente würden nicht mehr anschlagen und Dein Verfall würde sehr rasch fortschreiten.

 

Nach wenigen Wochen wussten wir, dass es Dir immer schlechter ging. Langsam schlich sich Wasser in Deine Lungen. Noch konnten wir es bekämpfen, aber nicht mehr lange...!

 

Wir machten mit Dir Dinge, die Du geliebt hast. Wir gingen zusammen schwimmen. Wir nahmen uns alle Zeit der Welt für Dich. Die kurzen, machbaren Spaziergänge dauerten manchmal über eine Stunde für eine Strecke von kaum 500 Metern. Du durftest alles essen, was Du so sehr geliebt hast. Aber Deine Augen sagten uns, dass es Zeit wird, Abschied zu nehmen. Du bautest Dir eine letzte Grube unter Deiner Lieblingstanne und legtest Dich hinein. Du wolltest diesen Platz nicht mehr verlassen und auch das war für uns ein Zeichen, dass es an der Zeit ist, Dich gehen zu lassen.

 

Sorgfältig ließen wir Dich nochmals untersuchen. Und wieder gab es Medikamente und Spritzen, um das Wasser aus Deinen Lungen zu vertreiben. Wir wollten noch drei letzte Tage gewinnen. Warum? Nicht jeder verstand diese Entscheidung, aber wir wollten, dass Du Deine ganze Familie um Dich hast, wenn Du Dich auf den Weg in die andere Welt machst. Herrchen, Claire und ich - alle wollten wir bei Dir sein und Dich mit unserer ganzen Liebe begleiten.

 

Am 10. August 2013 um genau 10.00 Uhr blieb Dein wundervolles Labradorherz stehen. Du starbst in Claire´s Armen. Herrchen und ich hielten Dich und schon im letzten Schlaf öffnetest Du nochmal die Augen, schautest uns alle mit klarem Blick an und mit einem letzten sanften Geräusch ließest Du Deine Familie hier zurück und machtest Dich auf den Weg in eine andere, eine bessere Welt.


Wir ließen Shari und Arthur noch eine Weile Abschied von Dir nehmen. Aufgebahrt an Deinem Lieblingsplatz neben meinem Schreibtisch, gehüllt in Deine so geliebte Decke und begleitet von einer letzten, gelben Rose.

 

Wie schon Nori und Abby vor Dir, wurde auch Dein Körper eingeäschert und ist nun wieder daheim - in unserer Mitte.

 

Es ist schwer ohne Dich. Du warst der stille Mittelpunkt unseres wechselnden Hundeverbandes. Du warst der Pol, um den sich alles drehte. Eine stolze Hündin, eine große alte Dame und ein Tier mit unverwechselbarem Charakter und großer, innerer Stärke. Du hast jedes Wort verstanden. Über 10 Jahre hast Du unser Leben geprägt und begleitet.Du warst immer geduldig und immer still. Selbst Deine zierlichen Schritte waren kaum zu hören.

 

Manchmal ist es noch heute so, dass wir meinen, Du schaust uns gelegentlich zu und besuchst uns unsichtbar. Shari schaut dann auf und winselt leise und freut sich. Oft ist mir dann, als würde ich einen Hauch Deines Atems an meiner Hand verspüren.

 

In den letzten drei Tagen Deines Lebens warst Du unnatürlich oft ganz dicht bei uns, so, als wolltest Du uns trösten. Nun bist Du körperlich nicht mehr hier, aber es scheint, dass Du uns dennoch ganz nah bist und uns auch weiterhin begleitest. Es tut so gut...

 

Wir vermissen Dich so und wir reden oft über Dich. In unseren Herzen wirst Du als unser "Pillchen" weiterleben. Wir danken Dir für über 10 gemeinsame und glückliche Jahre. Deine Spuren in unserem Leben werden nie verwehen...

Wir lieben Dich!

 

 

Kara - 18.04.2003 bis 10.08.2013