Epilepsie beim Labrador - Zuchtmängel, oder nur ein Zufall?

Auf dieser Unterseite finden Sie einen größerer Themenbereich zum Thema "Epilepsie beim Labrador".

Schon im Studium war ich mit diesem Thema befasst. Nun stieß ich nach dem Hinweis einer Bekannten auf eine Facebook-Gruppe, in der es auffallend viele Hunde mit dieser Erkrankung gibt. Noch dazu stammen alle Hunde aus der selben Zucht!

 

Ich würde meine Leser bitten, sich mit dieser Gruppe in Verbindung zu setzen, oder mich anzuschreiben, damit ich einen Kontakt herstellen kann.

Die Hundehalter dort suchen Wurfgeschwister ihrer Tiere - unabhängig, ob diese gesund sind, oder Erkrankungen vorweisen!

Ein Austausch über Familienbande, Verwandtschaft, Entwicklung und Leben der Hunde ist gewünscht und angestrebt.

 

Hier ist der entsprechende Link zu der Gruppe:

 

                        https://www.facebook.com/groups/300016277062693/

 

                        https://labradorriesenhof.jimdo.com/

Epilepsie beim Hund -
…Zuchtmängel oder Zufall?

Mein Mann und ich führen seit 15 Jahren Labradors. Epilepsie? Damals im Jahr 2002 hätten wir nie und nimmer gedacht, dass diese Erkrankung auch Hunde betreffen könnte. Zumal…wir lasen weder davon, noch hörten wir je von einem aktuellen Fall.

 

Erstmalig (und bislang einmalig) wurden  w i r  im Januar 2013 von dem Thema betroffen.

Unsere Hündin „Abby“ musste im sehr hohen Alter aufgrund einer umfassenden Krebserkrankung eingeschläfert werden und erlitt in diesem letzten Prozess einen schweren epileptischen Anfall.

Wir waren zutiefst betroffen, geschockt und fassungslos.

In einem späteren Gespräch klärte uns der Arzt auf, dass Abby vermutlich an einer sogenannten „Altersepilepsie“ litt – im Zusammenhang mit ihrer schweren Erkrankung.

DAS, was wir oft als heftiges „Träumen“ sahen, waren in der Realität Anfälle. Nicht häufig, offenbar nicht schwer, aber dieser Gedanke erfüllte uns mit Entsetzen und einem schlechten Gewissen. Wir hätten es… wissen müssen.

 

Im Rahmen meines Studiums kam ich letztlich dann zum Thema an sich und damit fand ich plötzlich in Deutschland zahllose Hunde, die an Epilepsie litten. Jung noch und oftmals mit frühem tödlichem Ausgang infolge Folgeerkrankungen und ohne eine angemessene Therapie.

Hunde, sowohl aus anerkannten Verbänden, häufiger aber aus nicht anerkannten Verbänden (Dissidenzen) und aus Vermehrerhaltung (Puppy Mills).

 

Jetzt, im Jahr 2017, sehe ich mit absoluter Fassungslosigkeit ein vielfach gehäuftes Auftreten von Epilepsie und Narkolepsie.

Dieser Umstand brachte mich dazu, an dieser Stelle einen ausführlichen Bericht zur Erkrankung zu verfassen und (vielleicht) mit einigen Vorurteilen und fälschlichen Informationen aufzuräumen.

Ich möchte Hundehaltern betroffener Hunde ein wenig helfen und ich hoffe, dass ich den Kauf von Welpen aus unkontrollierten Zuchten wenn nicht verhindern, so vielleicht dezimieren kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie hier die erforderlichen Informationen für Ihr krankes Tier finden. Haben Sie darüber hinausgehende Fragen, nehmen Sie bitte Kontakt zu mir auf. Soweit möglich, werde ich Ihnen gern weiterhelfen.

 

Was ist Epilepsie?

 

Wir sprechen von Epilepsie, wenn eine chronische (dauerhafte, andauernde) Erkrankung des Gehirns vorliegt. Korrekt ausgedrückt, handelt es sich um „Epilepsien“. Die Erkrankung(en) sind gekennzeichnet von regelmäßigen, bzw. wiederholt auftretenden Anfällen. Die Erkrankung tritt bei etwa 1-2% aller Hunde auf und gilt bereits damit als die häufigste Erkrankung des ZNS (zentralen Nervensystems).

Leider kristallisiert sich heraus, dass einige Hunderassen häufiger betroffen sind und dazu gehören auch die Labradore.

 

Was ist ein „Anfall“ und wie äußert er sich?

 

Akut auftretende, meistens schnell abklingende und fix verschwindende Funktionsstörungen des Gehirns lösen einen epileptischen Anfall aus. Der Anfall ist durch exzessive elektrische Entladungen im Gehirn gekennzeichnet.

Medizinisch spricht man von paroxysmalen Entladungen = plötzliche Entladungen.

Anfälle können dabei in der Länge von einigen Sekunden bis zu einigen Minuten andauern.

 

Wichtig ist es zu wissen: JEDER Anfall führt zu Schädigungen im Hirn. Je länger der Anfall währt, desto stärker wird das betroffene Areal geschädigt!

Bei einzelnen Anfällen werden die Nervenzellen noch kaum geschädigt. Nur in absoluten Einzelfällen treten Zellverluste der Nerven auf.

Wird die Epilepsie jedoch nicht erkannt und behandelt, häufen sich die Anfälle. Generalisierte Anfälle, die so häufig kommen, dass der Hund im Zwischenzeitraum nicht das Bewusstsein erlangt und die länger als 20 Minuten dauern, erfordern eine sofortige notfallmedizinische Behandlung! Man spricht dabei medizinisch von einem „Status epilepticus“!

 

Schauen wir uns den genauen Ort und die Ausdehnung eines Anfalls an, sehen wir die Störungen, die unterschiedlich schwer ausgeprägt sind. Betroffen können sein: Motorik, vegetative (nicht dem Willen und Bewusstsein unterliegende) Störungen, sinnliche Wahrnehmung, psychisches Verhalten und Bewusstsein.

 

Primär generalisierte Anfälle

 

Sie entstehen bei einer plötzlichen Beteiligung von Entladungen in beiden Gehirnhälften. Zumeist fallen Hunde bei diesen Anfällen in komplette Bewusstlosigkeit.

 

Fokale Anfälle

 

Zeigen sich bei einem begrenzten Geschehen innerhalb des Gehirn.

Diese Form der epileptischen Anfälle geht zumeist von einer angeborenen, oder einer fokalen (herdförmigen) Hirnläsion aus.

Diese Läsionen sind im Regelfall schon lange vor Auftreten eines ersten, sichtbaren Anfalls vorhanden!

Fokale Anfälle müssen wir in zwei unterschiedliche „Arten“ trennen. Beide sind in der Lage, sekundär generalisieren zu können, was bedeutet, dass sich Anfälle über den gesamten Bereich des Hirns erstrecken können.

 

Einfache fokale Anfälle beeinträchtigen das Bewusstsein des Hundes nicht. Oft werden diese Anfälle nicht „erkannt“.

Das Tier zittert, zuckt und verzieht zuweilen eine einzelne Gesichtshälfte.

Schildert ein Tierhalter dem Tierarzt diese Symptome, kommt es häufiger zu der Diagnose eines „Schlaganfalls“ – also einem Vestibulär Syndrom. Die Epilepsie bleibt (noch) unerkannt.

Geht ein solcher Anfall mit einer leichten Bewusstseinsstörung vonstatten, unkontrolliertem Bellen/Heulen, Lecken und Schmatzen, dann sprechen wir von einem „psychomorischen Anfall (Komplex fokalem Anfall).

Die Generalisation (Übergriff auf das gesamte Hirnareal) eines solchen Anfalls geht in aller Regel blitzschnell und der eigentliche Beginn des epileptischen Anfalls kann nicht ausgemacht werden und damit im Grunde auch nicht die eigentliche Dauer des Anfalls.

 

Generalisiert tonisch-klonischer Anfall

 

Er ist gekennzeichnet durch d a s, was die meisten Hundehalter dann tatsächlich als einen epileptischen Anfall ausmachen können.

Das Tier krampft, speichelt und bildet Schaum vor dem Maul. Oftmals verliert es Urin und Kot völlig unkontrolliert. Der Kiefer wird fest zusammengebissen.

Diese Anfälle dauern häufig einige Minuten und sie bilden die größte Gefahr auch für die Besitzer. Man sollte einen Hund innerhalb eines epileptischen Anfalls nicht anfassen und versuchen zu beruhigen (und das fällt wirklich schwer…).

Das Tier kann unkontrolliert zuschnappen und sich fest verbeißen – es weiß n i c h t, was es gerade tut!

 

Welche Anfallsarten bekommt ein Hund?

 

Rund 80% aller betroffenen Hunde bekommen generalisierte tonisch-klonische Anfälle.

Anfälle dieser Art kündigen sich relativ häufig an, wenn man den Hund genau beobachtet!

Im Vorfeld kann das Tier unruhig wirken. Es kann sein, dass es verstärkt Ihre Nähe sucht, oder sich – im Gegenteil – still verkriecht. Der Hund kann Wesensauffälligkeiten zeigen. Die Ankündigung eines Anfalls kann bereits Tage vor dem eigentlichen Geschehen sichtbar werden, jedoch auch erst unmittelbar vor dem Beginn eines Anfalls. Scheinbar zusammenhanglosen Bellen und Jaulen kündigt manchmal einen kommenden Anfall an.

 

Nach Abklingen des Anfalls (medizinisch „Iktus“) erholen sich die Hunde in aller Regel schnell. Innerhalb weniger Minuten wirkt der Hund vielleicht noch etwas wackelig auf den Beinen und leicht orientierungslos, ist aber wach und ansprechbar.

Häufig zeigen Hunde nach Anfällen einen schier unstillbaren Durst und/oder Hunger. Bitte achten Sie darauf, dass Ihr Tier dann nicht etwas aufnimmt, was nicht gefressen werden darf!!!

Gönnen Sie dem Tier nun Ruhe. Es muss selbst entscheiden können, wann es sich wieder halbwegs fit und munter fühlt. Nicht alle Hunde sind gleich. Während einige Stunden brauchen, um den Anfall restlos zu „verdauen“, sind andere Hunde nach wenigen Minuten scheinbar wie „immer“ – fröhlich und frisch.

 

An 2. Stelle der Anfallshäufigkeit stehen die generalisierten tonischen Anfälle. DIESE betreffen jedoch in aller Regel nicht Retriever, sondern deutlich gehäuft Rassen wie Dackel und Pudel.

An dieser Stelle gehe ich nicht weiter darauf ein, weil es mur nicht sinnvoll erscheint.

 

 

WANN sprechen wir von Epilepsie und welche Formen gibt es beim Hund?

 

Wir sprechen von Epilepsie wenn Anfälle:

 

  • wiederholt auftreten ( rezidivierend)
  • ihren primären (hauptsächlichen) Ursprung im Gehirn haben
  • nicht durch andere Erkrankungen hervorgerufen werden, die akut, oder rasch verlaufend im Körper agieren wie z.B. Hirnverletzungen, Staupe, Tumore und Hirnhautentzündungen.

 

Bei Hunden kennen wir drei unterschiedliche Formen der Epilepsie.

 

Idiopathische Epilepsie

Symptomatische Epilepsie

Kryptogene Epilepsie

 

Idiopathische Epilepsie

 

Bei dieser Form der Erkrankung treffen wir die meisten hündischen Patienten an.

Es liegen keine geweblichen, sondern ausschließlich funktionelle Hirnveränderungen vor. Diese Veränderungen führen zu elektrischen Entladungen parallel in beiden Hirnhälften. Es handelt sich um eine Form der Epilepsie, die man gehäuft bei Lebewesen mit einer sehr niedrigen Krampfschwelle findet: Bei Menschen und bei Hunden. Katzen sind davon nicht betroffen!

Vereinfacht gesagt, handelt es sich hierbei um eine Epilepsie, bei der man eine andere Krankheitsursache wie z.B. einen Tumor, eine Hirnverletzung und dergleichen ausschließen kann. In der Übersetzung bedeutet „idiopathisch“ in der Medizin, dass für eine Erkrankung kein Auslöser gefunden werden konnte.

 

Diese Form der Epilepsie kommt gehäuft in allen Hunderassen vor – auch bei Mischlingen. Forschungen haben inzwischen jedoch bewiesen, dass einige Rassen besonders disponiert sind – wie leider auch des Labradors.

Inzwischen konnten in der Tat genetische Dispositionen nachgewiesen werden. Bei der idiopathischen Epilepsie tritt ein erster Anfall im Regelfall im Alter von 1-4 Jahren, häufig gepaart mit Problemen im Magen- Darm-Trakt auf.

Allerdings gibt es auch Einzelfälle, den denen der Ausbruch der Erkrankung deutlich früher, oder auch später nachgewiesen wurde!

Oftmals ist nach dem ersten Anfall ein langer Zyklus ohne weitere Auffälligkeiten zu verzeichnen.

Die Anfälle kommen fast immer in häuslicher Umgebung und im Schlaf. Anfälle aus Bewegung heraus sind deutlich selten in diesem Anfangsstadium.

Die Krankheit wird sich mit fortdauernden Zeit verändern. Die Anfälle kommen häufiger und treten heftiger und länger auf. Oftmals liegt zwischen den Anfällen ein scheinbar absehbarer Zeitzyklus.

Zwischen den Anfällen sind die Hunde im Regelfall medizinisch völlig unauffällig. Ein neurologischer Befund würde keinerlei Auffälligkeit zeigen! Auch bei klinischen Untersuchungen kann ein Veterinär in diesem Zeitraum keine Besonderheit feststellen.

 

Symptomatische Epilepsie

 

Diese Form der Erkrankung tritt nur bei erworbenen, oder angeborenen strukturellen Hirnveränderungen auf.

Unfälle mit Schädelverletzungen, schwere Stürze, Schläge, Einwirkung stumpfer Gewalt auf den Schädel können hier Auslöser sein.

Oftmals sind die zugrundeliegenden Erkrankungen bereits lange verheilt. Sie lassen jedoch eine erhöhte Entladungsbereitschaft des Gehirns zurück, die als Auslöser der Anfälle gilt. Auch Tumore gelten als Auslöser dieser Erkrankungsform.

Gut erkennbar ist die Verlaufsform daran, dass Anfälle kaum im Schlaf auftreten, sondern eher bei Bewegung, Aufregung und zum Beispiel bei Stress.

Aber leider sind auch hier neurologische Befunde nicht immer auszumachen und/oder nur geringfügig erkennbar.

 

Kryptogene Epilepsie

 

Früher nur in der Humanmedizin verwandt, findet dieser Begriff inzwischen auch in der Veterinärmedizin seinen Platz.

Eine Verlaufsform der Erkrankung, die sich  n i c h t  eindeutig als symptomatisch oder idiopathisch einordnen lässt, bezeichnet man als „kryptogen“

 

Sollten Sie den Verdacht hegen, dass Ihr Hund an Epilepsie leidet, dann beachten Sie bitte in jedem Fall, dass es sich auch um primär extrazerebrale Anfälle handeln kann!!!

 

Bei einigen anderen Hirnerkrankungen kommen epileptische Anfälle vor, ohne die eigentliche Erkrankung darzustellen!

Unter- und Überzuckerung, Störungen der Rhythmik des Herzens, Störungen der Leberfunktion (Shunt) und einige Stoffwechselstörungen können epileptische Anfälle zur Folge haben! Ebenso Vergiftungen (Eiweiß) und starker Stress können anfallsauslösend sein!

 

Mögliche Diagnostik

 

Ihr Tierarzt wird eine äußerst gründliche klinische Untersuchung vorgenommen haben. Blutbilder, Organbeschau via Röntgen und/oder Ultraschall und im Regelfall ein MRT wurden vorgenommen.

Ihr Arzt wird das Herz per Herzultraschall genau betrachtet haben und ein EKG wurde angefertigt.

Die neurologischen Untersuchungen waren äußerst gründlich, um Tumorbildung, Schädeltrauma, Hirnhautentzündung auszuschließen. Eventuell wurde Liquor (Hirnwasser) abgenommen. Der Schädel wurde geröntgt.

Nun wird Ihr Tierarzt Sie zu den „Verwandten“ Ihres Hundes befragen. Gibt es erkrankte Elternteile? Großeltern? Wurfgeschwister und erkrankte Tiere aus Folgewürfen?

 

Vererbung

 

Wir wissen heute, dass Epilepsie vererbt werden kann!

Im Anhang finden Sie eine Grafik von Todd L. Wood aus der Veröffentlichung „Epilepsy in Dogs“.

Die Grafik zeigt beeindruckend deutlich, welche Erbgänge „benötigt“ werden, um dem Nachwuchs die Erkrankung mit auf den Weg zu geben, bzw. die Krankheit in eine weitere Generation weiterzureichen.

Besonders „bösartig“ ist dabei im Grunde der Erbgang der polygenetisch rezessiven Vererbung. Dieser Erbgang ist so, als würde man Golf mit einer Handgranate spielen.

Den Elterntieren sieht man nichts an und sie sind gesund – jeder für sich. Bei einer Verpaarung werden sie zu tickenden Zeitbomben in Bezug auf den Nachwuchs!

Knapp die Hälfte der Welpen wird die Erkrankung tragen, jedoch beileibe nicht jeder Welpe wird die Krankheit später sichtbar zeigen! Weitergeben kann er sie aber in jedem Fall!


Schauen wir uns den polygenetischen Erbgang an, wird recht schnell klar, w a r u m  es noch keinen 100%igen Test auf Epilepsie gibt – es ist… unmöglich (zumindest noch).

Einen Test zu konzipieren, der gleichzeitig auf alle möglichen Erbgänge eingeht, gleicht der Suche der berühmten Nadel im Heuhaufen.

In Teilbereichen gibt es aktuell Neuerungen. Von einem effektiven Test auf Übertragung von Epilepsie sind wir noch meilenweit entfernt!

 

Wir müssen uns als Welpenkäufer also zu 100% auf die Zuchthygiene eines Züchters verlassen können.

Im Endeffekt bedeutet das für einen Züchter: Permanente Kontrolle der Nachzuchten. Rückschau auf die zu verpaarenden Elterntiere und auch Rückschau auf deren Vorfahren und das über viele Generationen! Aber auch die genaue Beobachtung aktueller Würfe!

Taucht irgendwo in einer Zucht ein Hund mit Epilepsie auf, so müssen alle Beteiligten augenblicklich aus dem Zuchtprogramm entfernt werden – wirkungsvoll – durch Kastration! Eltern, Großeltern und Welpen sind potentielle Überträger dieser schrecklichen Erkrankung!

 

Mein Rat, wenn sie einen Hund gekauft haben, der an Epilepsie erkrankt ist?

Suchen Sie sofort den Züchter auf und setzen Sie ihn in Kenntnis.

Haben Sie das Gefühl auf „taube Ohren“ zu stoßen, finden Sie weitere Geschädigte. Streben Sie eine Sammelklage an, denn zusammen sind Sie stark!

Ein Züchter, der sich mit zahllosen Welpenkäufern konfrontiert sieht, die kranke Hunde erworben haben, der knickt ein, denn ihm drohen Strafen seitens des Gesetzes!

Hunde sind letztlich (traurig, aber wahr…) eine Ware und ein Käufer kann bei Kaufpreiszahlung einwandfreie Ware erwarten!

Lassen Sie sich nicht einschüchtern, indem man Ihnen eine Verleumdungsklage androht seitens des Züchters!

Eine Verleumdung ist per Definition: eine Unwahrheit verbreiten!

Wo viele Hundehalter betroffener Tiere aus gleicher Zucht sich zusammentun, da kann es keine Unwahrheit geben, sondern die Erkrankung der Hunde wird zur nachprüfbaren Tatsache!

Kämpfen Sie! Es lohnt sich! Ihrem Hund wird es nicht mehr helfen können, aber Sie schützen andere Menschen und deren Tiere vor dem gleichen bitteren Schicksal!

 

Therapie und Behandlung

 

Hier könnte ich sehr weiträumige und vor allem auch sehr „fachliche“ Ausführungen machen.

Ich werde mich auch die nötigsten Informationen beschränken und verlasse mich darauf, dass der Veterinär Ihres Vertrauens Sie weitergehend aufklärt.

 

Eine Heilung der Krankheit gibt es nicht! Und… Sie müssen damit rechnen, dass sich die Erkrankung kontinuierlich verschlechtern wird.

 

ABER…

Es gibt heute recht gute Behandlungsmethoden. Sie verhindern eine frühe Eskalation der Krankheit. Wichtig ist es, dass Anfallsgeschehen zu begrenzen – zeitlich in den Abständen und zeitlich in der Dauer des Anfallsgeschehens.

Wesentlich dabei ist, das verordnete Langzeitpräparat in hinreichender Menge und Regelmäßigkeit dem Tier zu verabreichen!

 

Dabei legt man drei Fragen zugrunde:

Wann therapieren?

Womit therapieren?

Wie dosieren zu Beginn und im Verlauf der Erkrankung?

 

Im Regelfall wartet man vor Einsetzen einer Therapie 3-5 Anfälle pro Jahr ab. Sind diese Anfälle nur sehr dezent, wird man noch nicht mit der Therapie einsetzen. Leider wird dabei noch oft kurzzeitig ein Anti-Epileptikum verabreicht, was jedoch eher Schaden anrichtet, als dass es nutzt!

Gelegenheitsanfälle (Oligoepilepsie) wird dabei  n i c h t therapiert!

Werden die Anfälle mehr und/oder intensivieren sie sich in der Stärke, ist es dringend geraten, die Therapie mit einem Medikament sofort zu beginnen.


Derzeit gibt es nur drei Antiepileptika am Markt, die einen genügend hohen Serumspiegel haben, um im Gehirn des Hundes eine ausreichende Wirkung zu erzielen:

 

Phenobarbital          (Luminal)

 

Primidon                   (Liskantin, Mylepsinum, Primidon)

 

Kaliumbromid          (Dibro-Be Mono)

 

Bitte bedenken Sie: Je eher verabreicht, je konstanter die Dosis und je passender das Präparat, desto mehr Lebensqualität hat Ihr Hund!

 

Oftmals setzen Hundehalter die Medikamente eigenmächtig in der Dosis herab. Die Angst vor möglichen Nebenwirkungen ist zu hoch, soziale Medien reden ein Präparat schlecht, die Angst, das Tier zu verlieren.

 

In aller Regel sind diese Präparate hervorragend verträglich und schädigen nicht Leber und/oder Nieren in einem nicht vertretbaren, bedenklichen Maß!

Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, wie man ein Präparat sorgfältig „einschleicht“, um eine gute Wirkung zu erzielen und den Serumspiegel ideal anzupassen. Müdigkeit und anfangs Abgeschlagenheit sind bei diesen Medikamenten völlig normal! Abendgaben haben sich gut bewährt, damit das Tier die Nebenwirkungen „verschläft“. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt darüber!

Bitte ändern Sie niemals eigenmächtig die Dosis, die Abgabezeiten und die Dauer der Verabreichung! Mit solchen Maßnahmen gefährden Sie die Gesundheit ihres Tieres und provozieren unter Umständen einen oder mehrere weitere Anfälle!

 

Zu guter Letzt…

Welche Lebenserwartung hat der Hund mit Epilepsie?

 

Leider können wir uns in diesem Bereich nichts vormachen…

20 – 52% aller Hunde zeigen gemäß Schrifttum eine Therapie-Resistenz. Die Medikamente schlagen nicht (oder nur ungenügend) an.

 

ABER: Bei optimaler Einstellung der Medikamente, bei regelmäßiger Überwachung und Kontrolle und bei Beachtung aller Faktoren, die zur Umgehung von Anfällen möglich sind, verbleiben „nur“ 20% der Patienten, die tatsächlich resistent auf die Behandlung sind!

 

Man muss an dieser Stelle deutlich sagen: Bei sachgemäßer Einstellung der Medikamente und einer optimalen Therapie beeinträchtigt die Epilepsie n i c h t  die Lebenserwartung Ihres Hundes!

Es gibt durchaus Hunde, die eine über 10-jährige Therapie erfolgreich durchlebt haben und ein lebenswertes Hundeleben hatten!

 

Bitte! Schenken Sie ihren behandelnden Arzt und den heutigen Möglichkeiten der Pharmaindustrie Ihr Vertrauen!

Ich weiß, dass das nicht immer ganz einfach ist, aber lassen sie nichts unversucht, Ihrem Tier zu helfen und ihm ein würdiges Leben zu ermöglichen!

 

Ich wünsche Ihrem Tier von Herzen alles, alles Gute!

Ihnen als Halter wünsche ich Geduld, Ausdauer und den notwendigen Mut, diesem „Feind“ gegenüber zu treten. Nehmen Sie den Kampf auf! Der Feind, den wir kennen, den können wir auch bekämpfen…

 

© Dr. rer. biol. vet. Daniela Koppenhöfer - April 2017