Epuliden beim Hund

 

Sie haben diesen Begriff noch niemals gehört?

Dann ist es an der Zeit, dass ich Ihnen dazu etwas erzähle, denn Epuliden gehören zu den häufigen Erkrankungen unserer Labbis und jagen uns oft bei Entdeckung einen gewaltigen Schrecken ein!

 

Epulis (griechisch für „Zahnfleisch“), weiblich die Epulide (Betonung auf dem „u“), Plural die Epuliden. Medizinischer Fachausdruck für eine Zahnfleischgeschwulst.

 

Hat Ihr Labrador schon mal gewaltig „vermeintliches“ Zahnfleischbluten bekommen, nachdem er einen Kauknochen gefressen hat, oder generell auf einem harten Gegenstand kaute?

Dann untersuchen Sie bitte mal die Maulhöhe und Sie stoßen dann vermutlich auf eine mehr oder minder große Verdickung im Bereich des Zahnfleisches.

Sie finden eine Zahnfleischgeschwulst, eine Epulide.

 

In aller Regel sind diese Epuliden gutartig und in ihrer Form äußerst variabel. Sie können pilzförmig ausschauen, wie eine Erbse, stilförmig, glatt, uneben, rund und einige Formen und Oberflächen mehr.

 

Epuliden betreffen zu etwa 80% Rassen von Hunden, die als „kurzhalsig“ gelten wie z.B. Labradore, Boxer, einige Terrierarten u.s.w.!

Der wissenschaftliche Hintergrund für diese scheinbare Disposition einiger Rassen ist noch immer nicht zu 100% schlüssig geklärt.  

Es gilt jedoch: Die bösartigen Osteosarkome und die Fibrosarkome liegen gleichauf mit den Epuliden in der Häufigkeit und dem Ort des Vorkommens. Es ist also eine große Sorgfalt bei der Diagnose geboten!

 

Grundsätzlich unterscheidet man drei unterschiedliche Arten von Epuliden:

 

fibromatöse Epuliden

 

Sie bestehen aus weichem Gewebe, welches sich vorsichtig gut ertasten lässt (wenn der Hund es sich gefallen lässt). Sie sind absolut gutartig.

 

ossifizierende Epuliden

 

Sie enthalten Knochen, können aber dennoch als gutartig angesehen werden.

 

akanthomatöse Epuliden

 

Sie werden ebenfalls als gutartig angesehen, jedoch wie Tumore behandelt. Sie stellen die problematischste Form der Zahnfleischgeschwülste dar.

Sie wachsen extrem schnell und führen dabei oft zu starken Entzündungen, Blutungen und im schlimmsten Fall zu einem Befall des Kieferknochens.

 

Zahnfleischgeschwülste lassen sich auf vielerlei Weise feststellen, nicht nur durch optische Sichtung. Blutungen beim Kauen harter Gegenstände. Der Hund frisst plötzlich sehr schlecht und nimmt dadurch stark ab. Heftiger Mundgeruch stellt sich ein.

Sichtbare Schmerzen beim Kauen sollten uns als Hundehalter immer zuerst mal einen Blick in das Maul unseres Vierbeiners tun lassen.

 

Wie sieht die ärztliche Behandlung aus?

 

Akanthomatöse Epuliden werden vom Tierarzt entfernt. Unter Narkose werden die Geschwüre entweder per Laser verbrannt (verödet) oder per Schnitt entfernt.

Gerade bei den schnellwachsenden akanthomatösen Epuliden wird bei permanentem Neuwachstum zu einer Strahlentherapie gegriffen.

In der Regel nimmt man innerhalb der OP eine Gewebeprobe, um in letzter Instanz ausschließen zu können, dass es sich doch nicht um einen bösartigen Tumor handelt.

Aber auch die weiteren Epuliden-Arten sollten nach Beobachtung unter Umständen entfernt werden.

 

Warum die Entfernung?

 

Man muss ausschließen, dass der Kieferknochen des Hundes befallen wird, was zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen wird. Im schlimmsten Fall muss ein Teil des Kieferknochens entfernt werden und eine Strahlentherapie eingeleitet werden.

 

Epuliden sind in aller Regel harmlos, doch verursachen sie oft heftige Schmerzen und Behinderungen bei der Nahrungsaufnahme.

 

Am besten ist es, ein wachsames Auge auf die Zahnhygiene des Vierbeiners zu haben und Epuliden bereits im Vorfeld zu meiden.

 

Die Behandlung homöopathisch:

 

Eine homöopathische Behandlung und auch weitere Prophylaxe bei betroffenen Hunden hat sich als äußerst wirksam erwiesen!

 

Eine homöopathische Behandlung erweist sich bei dieser Erkrankung als spektakulär positiv und kann die Bildung von Epuliden zu 100% verhindern.
Vorrangig nimmt man "Thuja" zur Behandlung. Bei betroffenen Kieferknochen "Symphtum".
Bei sehr harten Wucherungen ist Hehla Iava in Kombination mit Calcium fluoratum erste Wahl. Dabei bitte aber als Tiefpotenz (D4 - bis D12).

Sollten die Globuli ausnahmsweise doch mal bei langer Anwendung nicht so gut vertragen werden, kann man perfekt auf LM oder Q-Potenzen ausweichen, die auch als Dauergabe verabreicht werden können und keinerlei Unverträglichkeit hervorrufen.

 

Die Behandlung in der tierärztlichen Praxis:

 

Bei bereits fortgeschrittenen Entzündungen wird Ihr Tierarzt zu einem geeigneten Antibiotikum greifen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Oftmals ist die Gabe eines Schmerzmittels nicht zu vermeiden. Die Entfernung der Epulide ist unvermeidbar in diesem Stadium.

Der Tierarzt sollte mit Ihnen darüber sprechen, wie die Ernährung des Hundes aussieht (sie ist mit eine Ursache für schlechte Zähne und Zahnstein) und ob man unter Narkose eine gründliche Untersuchung der Zähne und des Zahnfleisches mit der gegebenenfalls nötigen Sanierung durchführen sollte.

 

Hier sei auch angemerkt, dass Sie als Halter sehr regelmäßig kontrollieren sollten, ob Ihr Hund Zahnstein hat und ob das Tier Mundgeruch hat, der sich nicht durch Aufnahme manchmal ekeliger Dinge, erklären lässt.

Es gibt inzwischen zahlreiche Kausnacks, die dem Zahnstein wirkungsvoll vorbeugen. In aller Regel enthalten diese Snacks Enzyme, die das Gebiss rein erhalten.

Zahnstein ist keine Sache von Alter und/oder Abnutzung des Hundegebisses. Wie beim Menschen ist es eine Sache der Pflege und Erhaltung der Zahngesundheit, sowie einer gesunden, ganzheitlichen Ernährung!

 

Bedenken wir, dass Zahnerkrankungen und Zahnfleischerkrankungen Auswirkungen auf die inneren Organe des Tieres haben können, sollte Zahnhygiene zum täglichen „must have“ gehören.

Ein Welpe der früh lernte, dass man ihm regelmäßig in das Maul schaut, wird sich schnell an die Zahnroutine gewöhnen und sie sich relativ problemlos gefallen lassen.

 

Nachdenklich machende Zahlen zum Schluss…

 

Bei 50% aller histologisch entnommenen Proben aus den Maulhöhlen von Hunden handelt es sich um bösartige Tumore!

Diese Tumore werden spät entdeckt und sind deshalb oft nur noch mit schlechter Heilungsprognose belegt. Metastasen finden sich vorrangig in den Lymphknoten und der Lunge.

Die gutartigen Epuliden machen 30% aller Maulhöhlen-Neoplasien (Tumore) bei Hunden aus!

 

Allein diese Zahlen sollten Sie wachsam sein lassen und Sie dazu anregen, die Maulhöhle Ihres Tieres regelmäßig soweit wie möglich zu checken.

Eine Kontrolle von Gebiss und Zahnfleisch gehört für uns zwingend zur Vorsorge unserer Hunde und zum Routine-Check beim Tierarzt dazu!

 

In diesem Fall darf ich getrost sagen: Liebe geht durch das Maul…

 

© Foto: roslevdyreklinik.dk