Die Hirschlausfliege - Ein weitgehend unter Hundebsitzern unbekannter "Feind"

Die Hirschlausfliege – ein widerlicher, gefährlicher und sehr schmerzhafter Ektoparasit

 

 

Leider verzeichnen wir seit dem Jahr 2009 das vermehrte Vorkommen eines kleinen und äußerst unangenehmen Zeitgenossen: Der Hirschlausfliege, oder einfach nur „Hirschlaus“ genannt.

Im Jahr 2012 sprach man bereits von einer „Plage“ und in diesem Jahr rechnet man erneut mit einem starken Aufkommen des Tieres, bedingt durch die Witterung nach einem milden Winter.

Im Zeitraum von August bis Oktober eines Jahres wird die Hirschlausfliege aktiv – also ein durchaus absehbarer Zeitrahmen!

 

Sind Zecken für uns Hundehalter ein großes Problem, ist es die Hirschlaus leider erst recht, denn es gibt momentan k e i n wirksames, veterinärmedizinisches präventives Präparat gegen den fiesen Blutsauger! Doch dazu später.

 

Stellen wir den kleinen Fiesling erstmal vor:

 

Die Hirschlausfliege, lateinisch „Lipoptena cervi“ schaut zuerst einmal eher unspektakulär aus. Die Optik erinnert ein wenig an eine braune Stubenfliege. Prägnant ist jedoch ein sehr gut erkennbarer und spitzer Stechrüssel. Die Größe von 5-6 mm ist dabei als eher „gering“ einzuordnen. Auffallend sind die starken „Haken“, mit denen alle sechs Beine bewehrt sind.

 

Der Lebensraum des Parasiten ist in Eichenwäldern zu finden, aber auch in reinen Kiefernwäldern und im Mischwald findet man die Hirschlaus inzwischen.

Jäger und Forstarbeiter kennen den kleinen Fiesling zumeist, der sich bei Menschen gern im Nacken niederlässt, nachdem er hartnäckig den Kopf umkreist hat.

Für uns Menschen ist der Stich der Hirschlaus nicht fühlbar und verursacht damit auch keine Schmerzen.

Sobald das Tier sich angesaugt hat, wirft es die Flügel ab und bleibt beim Wirt.

Der Mensch? Verspürt in der Regel erst nach etwa drei Tagen eine Nackensteife und häufig eine starke Rötung, verbunden mit einer Schwellung und Pustelbildung.

 

Krankheitsüberträger Hirschlausfliege?

J A !!!

 

Im Jahr 2001 wurde im „Schönbusch“ – einem Naherholungsgebiet nahe Stuttgart von Biologen ein bis dahin unbekanntes Bakterium entdeckt, das bei Rehwild zu schweren Hauterkrankungen mit Fieber führte. Nach dem Fundort benannte man das Bakterium mit dem Namen „Bartonella schoenbuchensis“.

 

Das Bakterium verursacht sehr ungewöhnliche Erkrankungen wie z.B. „Verruga peruviana“, also die Peruwarze und das „Wolhynische Fieber“

Vor einigen Jahren konnte endlich nachgewiesen werden, dass die o.g. Erkrankungen nach dem Kontakt zur Hirschlaus in einen kausalen Zusammenhang gebracht werden können. Die Hirschlaus gilt seitdem als Überträger und das bereits „nur“ nach dem Stich!

 

Aber wie sieht es mit einer Infektion beim Menschen aus?

Nach dem Stich kommt es innerhalb weniger Tage zu einer Pustelbildung der Haut. Fieber und Schwellungen können mit den Pusteln einhergehen. Bislang konnte keine der o.g. Krankheiten nach Stich beim Menschen nachgewiesen werden. Leider gibt es aber einen erkennbaren kausalen Zusammenhang zur Schädigung der menschlichen Herzklappen, also einer Endokarditis.

 

Was ist aber mit unseren Hunden???

 

NEIN! Man muss nicht die „Pferde scheu machen“, aber in Anbetracht der Witterung im Winter 2015/2016 müssen wir leider wieder mit einer vermehrten Population der Hirschlaus rechnen.

Bei Waldspaziergängen treffen wir dann leider auf den Ektoparasiten auf den Suche nach einem geeigneten Wirt und als solcher bietet sich der Hund gern neben einem vorhandenen Rehwildvorkommen an.

 

Bevorzugt sticht die Hirschlausfliege bei den Hunden in das hintere Körperdrittel um Rutenansatz und Flanken.

Im Gegensatz zum Menschen, scheint der Stich für Hunde außerordentlich schmerzhaft zu sein.

Man kann beim Tier beobachten, dass es sich schnell und wie verrückt um die eigene Achse dreht und versucht, sich in die Rute zu beißen, oder sich den Hinterleib duch Kauen zu putzen. Oft will der Hund danach auch nicht weiterlaufen.

Unentdeckt kann der Stich innerhalb von 2-3 Tagen zu schweren, eitrigen Hautwunden mit Fieber und Schwellungen führen, die der Tierarzt zumeist nicht als das ausmachen kann, was es tatsächlich ist! Ohne eine fachgerechte Behandlung kann es dann zum Ausbruch der oben genannten und seltenen Erkrankungen führen.

Machen Sie bitte den Veterinär auf Ihren Verdacht in Bezug auf die Hirschlaus aufmerksam! Der Tierarzt sollte dem Hund dann ein entsprechendes Antibiotikum verabreichen und die Hautwunden fachlich versorgen.

 

Wie schützte man den Hund und sich selbst?

 

Wir Menschen können uns mit AUTAN einreiben und erhalten auf diese Weise zumindest einen kleinen Grundschutz. Allerdings ist die Wirkung von AUTAN bis heute nicht wissenschaftlich manifestiert!

 

Bei Hunden kann man das Tier schützen, indem man bei Waldspaziergängen in exponierten Gebieten einen Flohkamm mit sich führt und den Hund gründlich damit auskämmt. Der kleine Parasit ist mit diesem Kamm durchaus aufzuspüren und zu entfernen.

Es scheint, dass bei Hunden das Humanpräparat „Jacutin“ Wirkung zeigt.

 

In der Humanmedizin wird das Mittel gegen Kopf- und Filzläuse eingesetzt. Es handelt sich um ein Shampoo, mit welchem den Hund gebadet und anschließend mit einem Flohkamm sorgfältig ausgekämmt wird. Da in Deutschland Humanpräparate seit 2007 verboten sind, in denen als Inhaltsstoff "Lindan" zu finden ist, weichen Verbraucher zunehmend auf Auslandsapotheken via Internet aus. Über Frankreich und England ist das ursprüngliche Präparat noch erhältlich - jedoch nur gegen Rezept!

 

 

Bedenkt man jedoch, dass „Jakutin“ Lindan enthält, ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel und Mittel zur Holzimprägnierung und dass Lindan als extrem krebserregend gilt und nur in sehr wenigen Ausnahmen noch zur Verwendung genehmigt ist, würde ich mir die Anwendung am Hund sehr genau überlegen.

 

Einfach auf „den reinen Verdacht hin“ Jakutin zu verwenden und den Hund damit zu baden? Nein, d a s täte ich sicherlich nicht!

Besser bei einem akuten Verdacht den Tierarzt aufsuchen und auf das Bakterium testen lassen und eine medizinische Versorgung des Tieres einleiten.

Präparate wie Spot On´s, Antiparasitica in Form von Tabletten und Halsbänder wie Scalibor zeigen gegen diesen Ektoparasiten k e i n e Wirkung!

 

Die Verbreitung?

 

Nach dem Ansaugen verbleibt der Parasit für den Zeitraum von 8-13 Monaten am Wirt. Während dieser Zeit legt das weibliche Tier lediglich 4-7 Larven, die sich jedoch erst am Boden verpuppen. Wenn wir in unseren Regionen einen sehr kalten Winter haben, sind die Larven am Boden nicht überlebensfähig.

Nach einem sehr milden Winter –wie in diesem Jahr- darf man also damit rechnen, dass es wieder eine eher reichhaltige Population an Hirschlausfliegen geben wird.

 

F A Z I T

 

Sicherlich müssen wir in Bezug auf die Hunde keine Panik schüren. Und… sicher müssen (und können wir) nicht sorgfältige Vorkehrungen gegen den Parasitenbefall bei unseren Tieren treffen.

Wichtig scheint es mir jedoch, zu wissen, dass es die Hirschlausfliege gibt und worauf wir bei einem ungewöhnlichen Verhalten unserer Hunde draußen im Wald achten sollten.

In den Monaten August bis Oktober sollten wir verstärkt darauf schauen, möglichst bei Waldspaziergängen unsere Tiere zu beobachten und auf die geschilderten Auffälligkeiten im plötzlichen Verhalten zu achten.

Wenn man einen „Feind“ kennt, dann kann man ihn auch wirksam ausschalten!

 

In diesem Sinn…

 

Herzlichst Ihre

Dr. rer. biol. vet. Daniela Koppenhöfer

 

Quellen:

  1. Hassler et al. : Bartonella schoenbuchensis und die Hirschlausfliege

Deutsche Medizinische Wochenschrift 2005

 

Parasitologische Fachgespräche 2010 „Attacken der Umwelt“

Österreichische Gesellschaft für Tropenmedizin und Parasitologie

 

Fachkongress Universität Justus Liebig Giessen 2006

 

© Text Dr. rer. biol. vet. Daniela Koppenhöfer 6/2016

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