Das erste Lebensjahr des Welpen Teil II

 

 

Erziehung…

 

Ist der Welpe mit drei Monaten komplett durchgeimpft, kann der Ernst des Lebens beginnen und soll er auch!

 

Natürlich ist der Labrador ein großartiger Familienhund, aber er ist als solcher eben nicht geboren! Er ist ein Produkt seiner Prägung, Erziehung und Ausbildung.

 

Wir beginnen bei unseren Welpen schon „im“ dritten Monat mit der weiteren Prägephase auf Menschen, Umwelt und Geräusche.

 

 

 

Dazu nehmen wir den Welpen mit auf kleine „Erkundungsgänge“.

Zum Grundprogramm gehört z. B. der Besuch eines Kaufhauses, die Fahrt mit einem Fahrstuhl, eine Einkaufsstraße, der Besuch des Bahnhofs mit Besichtigung einlaufender ICE-Züge. Wir zeigen unserem Welpen alles, ohne ihn mental zu überlasten. Immer pro Tour nur eine „Neuigkeit“. Zwischen den Erkundungstouren liegen immer ein paar Tage!

 

Der Welpe läuft keine großen Strecken ab, lernt aber dennoch alles kennen. In Situationen, die den Welpen zu sehr verunsichern, nehmen wir ihn auf den Arm, bis er sich beruhigt hat und dann gibts einen neuen Versuch auf eigenen Füßchen.

 

Gern gehe ich mit dem Tierchen zu Schulen und Kindergärten. Die Kinder dürfen –gut dosiert- den Welpen streicheln und ich nutze die Gelegenheit, den Kindern ein wenig über Hunde zu erzählen und sie sind immer total begeistert, wenn sie die Schwimmhäute des Hundes zu sehen bekommen.

 

Der kleine Vierbeiner lernt also die Dinge kennen, auf die er in seinem weiteren Leben stoßen wird. Ebenso gehen wir mit dem Welpen schon sehr früh gemeinsam schwimmen. Dazu fahren wir an einen ruhigen und gut übersichtlichen See und führen den Welpen spielerisch an das Element Wasser heran.

Radfahrer, Inline-Skater, Jogger, Walker etc. gehören ebenso zum Pflichtprogramm für die kleinen Racker!

 

Daheim muss der Welpe lernen, sich überall und zu jeder Zeit berühren zu lassen. Tägliche Kontrollen von Ohren, Zähnen und das Abtasten des Körpers gehören also zum Standartprogramm.

Auch Besuche beim Tierarzt sind notwendig. Das Tier lernt dort (ohne irgendwelche Eingriffe), dass die Praxis ein „normaler“ Ort ist, den man nicht fürchten muss. Allerdings gibt es diese Besuche erst dann, wenn der Welpe einen kompletten Impfschutz hat, also mit drei Monaten!

 

Der Schulbesuch…

 

Im Alter von drei Monaten und mit kompletten Impfschutz beginnt dann die erste Erziehung in der Welpenstunde.

Man vertraut seinen Welpen ja nicht „irgendeinem“ Menschen an, sondern schaut bereits vor Einzug des Welpen in der Regel 3-5 Hundeschulen an und macht sich mit dem dortigen Unterricht vertraut.

 

Es gibt einige Dinge, die man dabei beachten sollte!

 

Kleine Welpengruppen mit Hunden der gleichen Altersklasse und nach Möglichkeit so gestaltet, dass schwerere Welpen nicht auf leichteren Welpen „rumtrampeln“. Welpengruppen sind keine Spielgruppen! Der Welpe lernt dort erste Grundkommandos und er lernt Sozialverhalten gegenüber Artgenossen. Eine gute Hundeschule zeichnet sich also nicht dadurch aus, dass Rangeleien geduldet werden, die einen Welpen nachhaltig negativ beeindrucken könnten, sondern dadurch, dass artgerechtes Sozialverhalten gefördert und gestützt wird!

 

Gewalt sollte in jedem Fall ein totales Tabu sein! Bitte achten Sie auch darauf, dass keine „Erziehungshilfsmittel“ wie Wurfketten, erste kleine Würger und dergleichen verwendet werden! Ebenso darf kein Trainer so veraltete Erziehungsmethoden wie Schnauzengriff, Werfen in Rückenlage, Sprühflaschen, Rütteldosen und Wurfdiscs verwendet! Eine solide Erziehung beginnt in der Welpenstunde und ich habe diese Dinge dort schon gesehen und war zutiefst erschüttert!

 

Eine gute Hundeschule verfügt selbstverständlich über einen sauberen, ausreichend großen, fest eingezäunten und gepflegten Platz mit entsprechenden Kleingeräten, die der Welpenerziehung dienlich sind wie z.B. Tunnel, kleine Wippen, Mini-Hürden, Slalomstangen. Die Welpen sollen neben der kleinen Grunderziehung auch Bindung zum Hundeführer lernen und Spaß dabei haben. Eine Welpenstunde sollte nicht länger als 30 bis 45 Minuten dauern. Tobe-Orgien zum Abschluss sind nicht angeraten!

 

Mit etwa 6-8 Monaten wechselt man dann mit dem Hund zu einem Grundkurs der Hundeschule. Dort wird das Tier zusammen mit Ihnen das „Hunde 1x1“ lernen. Diese Kurse dauern etwa ein gutes halbes- bis dreiviertel Jahr. In dieser Zeit sollten die Hunde Sitz, Platz, Bleib, Komm, Steh lernen. Abrufkommandos sollten ebenso trainiert werden, wie Abbruchkommandos. Die Mensch-Hund-Beziehung soll durch die gemeinsame Arbeit gefestigt werden.

 

Allerdings darf man nie vergessen: Im ersten Lebensjahr durchläuft der Hund mit etwa 7 Monaten und dann nochmals mit etwa 10 Monaten zwei Pubertätsphasen, die sich nicht einfach gestalten werden. Ohren auf Durchzug und der „Teenie“ probiert aus, wie weit er gehen kann und darf. Hündinnen werden in der Regel im ersten Lebensjahr das erste Mal läufig. Zu dieser Zeit wird nicht auf dem Hundeplatz gearbeitet!

 

Die Arbeit mit dem Jungspund kann dann durchaus zur Geduld – und Machtprobe werden. Bewahren Sie die Ruhe, seien Sie geduldig (es wird zuweilen äußerst schwer fallen) und bleiben sie einfach am Ball. Es geht vorüber, so, wie unsere Kinder auch die Pubertät überstanden haben (unsere eigenen Nerven waren sehr strapaziert), aber alles fand immer ein gutes Ende!

 

Wichtig ist bei alledem, dass man sich als Hundehalter bemüht, sein Tier zu verstehen, seine Mimik und seine Körpersprache richtig zu interpretieren, um gegebenenfalls adäquat einschreiten zu können!

 

Schon im ersten Lebensjahr bieten zusätzlich auch der Deutsche Retriever Club e.V. (DRC) und der Labrador Club Deutschland e.V. (LCD) Grundkurse an, in denen die Hunde (mit Papieren der entsprechenden Verbände) auf eventuelle „Arbeit“ wie Apportierarbeit, Suchhundearbeit etc. altersgemäß und altersgerecht unter Berücksichtigung der Gesundheit vorbereitet und geschult werden. Innerhalb dieser Vereine wird auch der sogenannte „Wesenstest“ durchgeführt, der sicherstellt, dass die Hunde dem Rassestandart im Wesen unterliegen. Aber auch dieses Angebot gilt i.d.R. nur für Hunde mit entsprechenden Papieren der Verbände. Ausnahme: Der Europäische Retriever Club e.V. nimmt auch Hunde ohne Papiere unter Umständen für den Wesenstest an!

 

In diesem ersten Lebensjahr sollte sich Ihr Hund zu einem entspannten, gut sozialisierten und erzieherisch gut vorgebildeten Begleiter entwickelt haben. Sein Sinn für die Familie soll ausgeprägt und liebevoll sein. Sein Verhalten gegenüber Fremden soll durchgängig freundlich und positiv sein. Die Arbeit hört damit nicht auf. Ein Labrador ist erst mit etwa 3 Jahren in seiner körperlichen und erzieherischen Entwicklung „fertig“. Man muss also immer „am Ball“ bleiben. Unsere Labradore lernen gern und wollen gefallen. Wenn wir uns diese Eigenschaften zunutze machen, haben wir genau das, was wir uns gewünscht haben: Großartige Familienhunde, Begleiter in Feld und Flur auf die wir uns verlassen können und wundervolle Partner für ein gemeinsames Leben in Harmonie und Liebe.

 

Am Ende des ersten Lebensjahres…

 

Werfen wir nochmals einen Blick auf die Gesundheit! Etwa im Alter von 12 bis 14 Monaten sollten sich die Gelenkspalten Ihres Hundes geschlossen haben. Es wird Zeit, das Tier auf HD/ED röntgen zu lassen.

 

Ist der Hund gesund, steht weiterer Ausbildung und Arbeit nichts weiter im Wege. Zeigen sich negative Veränderungen, oder gar Erkrankungen, müssen wir uns darauf einstellen und das Tier entsprechend seiner Möglichkeiten sowohl geistig, als auch körperlich auslasten. Ein unausgelasteter Labrador neigt zu einem unerwünschten Verhalten! DAS sollten wir immer im Blickwinkel behalten!

 

Ein „mahnendes“ Wort zum Schluss!

 

Der Labrador ist leider immer mehr zu einem“ Modehund“ geworden. Sein Status als freundlicher, liebeswerter und geduldiger Familienhund ließ ihn mit dazu werden. Ich bitte aber immer bei der Anschaffung eines Labradors zu bedenken: Dieser Hund ist für Anfänger zwar geeignet, aber er erzieht sich ganz sicher nicht allein! Er fühlt sich mitten in seiner Familie wohl und glücklich. Aus meiner Sicht ist er nicht gut für die Haltung in einer Stadtwohnung geeignet, denn er ist ein freiheitsliebender Hund, der die Natur liebt und braucht. Der Labrador ist auch nicht glücklich, wenn seine Familie den ganzen Tag arbeiten geht und er allein daheim bleiben muss. Dann neigt er nämlich wirklich zu großem Unsinn! Der Labrador ist ein Hund, der seine Besitzer stolz begleitet, der immer dabei –besser noch- immer mittendrin ist. Er lernt gern, aber er muss auch gefordert werden. Wird er falsch bewegt oder gehalten, zieht es gesundheitliche Konsequenzen nach sich, denen man finanziell auch nachkommen können muss!

 

Immer wieder erlebe ich, dass sich Menschen einen Labrador kaufen, ohne sich im Vorfeld genügend und umfangreich informiert zu haben. Wir finden dann zahllose unglückliche Tiere in Kleinanzeigen, in Tierheimen, oder in Tierschutzvereinen.

 

Bitte bedenken Sie: Sie kaufen keinen Modeartikel, sondern ein denkendes, fühlendes Lebewesen, für welches Sie eine hohe Verantwortung übernehmen. Diese Verantwortung umfasst Erziehung und Ausbildung, adäquate Ernährung und u.U. hohe Kosten im Fall einer Erkrankung.

 

Im Sinne einer wundervollen, ja einzigartigen Rasse, wünsche ich mir Besitzer mit Sachkenntnis, Erfahrung und dem unbedingten Wunsch, diesem Hund auch gerecht zu werden!

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund ein langes, gemeinsames, glückliches und gesundes Leben voller Freude. Ich wünsche Ihnen eine Partnerschaft mit Ihrem Hund, die beide Seiten glücklich sein lässt und die in bedingungsloser Liebe und Verständnis zusammengefügt ist.

 

Bitte verzeihen Sie mir, dass ich in den Texten zum ersten Lebensjahr mit Ihrem Hund nicht alle Punkte umfassend erläutern, oder gar nennen kann. Wenn Sie noch weitergehende Fragen haben, kontaktieren Sie mich gern. Sie können einfach das Kontaktformular nutzen und ich setze mich dann mit Ihnen gern in Verbindung.

 

 

Foto: Unser Arthur in der Leistungsprüfung GH 2 /UO 2