Das erste Jahr im Leben des Labrador-Welpen Teil I

 

 

 

Der große Moment naht: der heiß ersehnte Welpe zieht bald ein? Dann sind einige Dinge zu beachten!

 

Ich möchte hier gern ein wenig helfen und beraten, denn gerade „Neulinge“ auf dem Gebiet der Hundehaltung eines Labradors stehen zumeist vor einigen Fragen, die sorgfältig beantwortet werden sollten.

 

In der Regel wird ein guter Züchter Ihnen zusammen mit dem Welpen (oder auch zuvor) die wichtigsten Informationen, sowie im Idealfall eine „Welpenfibel“ mit auf den Weg geben. Aber es ist eben keine Selbstverständlichkeit!

 

 

Was braucht der Welpe beim Einzug?

 

Es sind im Grunde gar nicht so schrecklich viele Dinge, die ein kleiner Hund für den Anfang benötigt.

 

1 Schlafplatz (Kudde, Körbchen oder Liegematte)

1 Zimmerkennel

Wasser und Futternapf (dürfen durchaus schon groß sein)

Pflegeartikel wie: kleine Bürste, Krallenzange, Zeckenzange, feuchte Babytücher, Kotbeutel

einige wenige Welpenspielzeuge und ein Beissholz

1 kleines Halsband und eine kurze Leine – eventuell ein Geschirr Größe XS

 

Wenn es bei Ihnen in Haus oder Wohnung Treppen gibt, so sollten diese auf jeden Fall alle mit Treppengittern versehen werden. Wir nehmen da gern die Modelle von IKEA, da diese Treppengitter eine „Tür“ haben und man als Mensch nicht immer darübersteigen muss.

 

Bitte denke Sie an eine Auto-Transport-Box – entweder fest eingebaut (Firma Kleinmetall), oder als Gulliver-Box zum Einstellen in den Heckbereich Ihres Fahrzeuges.

 

Welpen haben frei sich bewegend nichts im Auto zu suchen!!!

 

 

Vor dem Einzug…

 

Bitte geben Sie dem Züchter eine kleine Weile bevor der Welpe bei Ihnen einzieht eine kleine Decke. Diese Decke sollte im Schlafbereich der Mutter und der Welpen liegen und den „Geruch“ des Rudels beim Züchter annehmen. Wenn sie den Welpen abholen, nehmen Sie die Decke mit heim. Die daran befindlichen Gerüche helfen dem Tierchen, mit der Trennung besser klar zu kommen. In der Natur ist die Trennung des Welpen vom Rudel tödlich! Das Kleinchen hat also wirklich Angst! Die Decke wird in der ersten Zeit für Ihren Welpen einen Geruch vermitteln, der beruhigend wirkt und Ängste dämpft! Die Decke liegt dann am Schlafplatz des kleinen Schatzes.

 

 

Die Heimfahrt und die Ankunft im neuen Zuhause…

 

Der Welpe wird nun abgeholt! Ihr Züchter wird darauf achten, dass Mutter und Welpe sich nicht voneinander verabschieden. Die Trennung geht still und sanft vonstatten.

 

Bei der Heimfahrt gibt es zwei Möglichkeiten: Der Welpe kommt auf den Arm und nimmt mit einem Beifahrer auf dem Rücksitz Platz. Beruhigende Worte, streicheln und Nähe vermittelt ihrem Welpen bei der aufregenden Fahrt ein besseres Gefühl!

Man kann den Welpen aber auch auf seine Decke in den Fußraum des Beifahrersitzes setzen. Erfahrungsgemäß wird das Baby aber mobil und „klettert“ rum – ich bevorzuge diese Variante eher nicht!

 

Bitte holen sie den Welpen n i e allein ab! Es ist dringend angeraten, dass eine weitere Person sie begleitet, um den Welpen zu beruhigen! Bitte nehmen Sie (auch wenn es noch so schön wäre) nicht ihre ganze Kinderschar mit! Die Reizüberflutung ist für den kleinen Hund definitiv zu viel!

 

Bei längeren Fahrten planen sie bitte Pausen sein. Wecken Sie dazu aber bitte den Welpen nicht auf, sollte er schlafen! Näpfchen und Frischwasser im Auto werden mit diesem Tag zur Selbstverständlichkeit! Pipi-Pausen (ohne fremde Hundekontakte) müssen sein!

 

 

Daheim angekommen…

 

Das Baby lernt nun das neue Zuhause kennen. Bitte lassen sie ihm Zeit für Erkundungen. Keine Besucher, die den Welpen mit großen „Hallo“ begrüßen. Kleinere Kinder müssen jetzt bereits lernen, dass der Welpe „Auszeiten“ braucht und nicht pausenlos angefasst werden möchte. Das Tierchen muss „ankommen“ dürfen. Der Welpe ist aufgeregt nach der Fahrt – er muss sicher erst mal „Pipi“ – vermutlich in ihrer Wohnung, oder Ihrem Haus. Nehmen Sie es entspannt, denn es wird noch viel häufiger vorkommen!

 

Bitte planen Sie die ersten Tage mit Ihrem neuen Bewohnen mit großer Ruhe für das Tier ein. Nehmen Sie sich Urlaub und lernen Sie sich kennen. Beobachten Sie ihren Hund – er tut es bei Ihnen auch…!

 

Bereits an diesem ersten Tag lernen auch Sie etwas Wesentliches: Sie lernen, wann Ihr Welpe Pipi muss, oder sein großes Geschäft machen möchte. Dazu gehört eine gewisse Beobachtungsgabe. Nach dem Füttern z.B. sollte der Welpe sofort die Möglichkeit bekommen, sich lösen zu können. Nach dem Spiel ebenso. Ist der Welpe mit der Nase auf dem Boden und beginnt zu schnüffeln, bringen Sie das Tierchen bitte sofort auf Ihrem Arm an den Löseplatz! Auch wenn es sich spaßig anhören mag: Mit dem Kommando „pischi pischi“ lernt der Welpe sehr fix, was Sie von ihm erwarten!

Der Welpe lernt in den ersten Tagen ausschließlich Ihr Haus/Ihre Wohnung, den dazu gehörenden Garten, bzw. den Löseplatz kennen. Alles andere wird noch ein paar Tage warten!

 

Welpen schlafen viel! Bitte akzeptieren Sie, wenn das Kleine sich einfach hinlegt und einschläft. Gönnen Sie dem Welpen den Schlaf und bitte achten Sie darauf, dass auch Ihre Kinder den Hund dann völlig in Ruhe lassen!!!

 

Die erste Nacht…

 

Wie bei der Ankunft eines menschlichen Baby´s auch, werden Sie sich vor der Ankunft des Welpen bewusst gemacht haben, dass nun eine Zeit kommt, in der die Nächte unruhig, kurz und mehrfach unterbrochen sein werden, aber eben nicht müssen!

 

Der Zimmerkennel sollte neben Ihrem Bett stehen. Darin die Decke, die noch nach Mama und den Welpengeschwistern riecht und ein T-Shirt, welches SIE getragen haben. Ein kleines Spielzeug und ein Kissen sollten im Kennel auch nicht fehlen. Sie bringen den Welpen in den Kennel, wenn auch Sie zu Bett gehen. Sicher wird der Welpe „quaken“. Der Kennel ist insofern wirklich toll, als dass er über diverse Eingänge und Türchen verfügt. Sie können und dürfen den Welpen also vom Bett aus durch ein Türchen, oder durch das Gitter streicheln und beruhigen, leise mit ihm reden und ihn so zum Einschlafen bringen. Manchmal gehört auch ein wenig Gleichmut dazu, den Welpen einfach mal ein wenig quaken zu lassen und es zu ignorieren. Kindern „nörgeln“ oft auch noch ein Weilchen, ehr sie einschlafen! Ein Bespaßungsprogramm findet beim Hund dann nicht statt!

 

Ich habe mir gerade in den Anfangstagen mit unseren Welpen immer einen Wecker so gestellt, dass er alle 3 Stunden klingelt. Im Regelfall werden Sie jedoch sofort wach, wenn der Welpe im Kennel unruhig wird, oder sich zu Wort meldet und winselt. Sie nehmen dann den Welpen auf den Arm (nicht selbst laufen lassen, sonst läuft „es“) und bringen das Tier an den Löseplatz.

Ich habe es mir in diesen Zeiten immer zur Angewohnheit gemacht, einen Bademantel, oder einen Jogginganzug neben dem Bett liegen zu haben, um mich schnell bekleiden zu können.

Bitte reden Sie in dieser Situation nicht auf den Welpen ein! Lassen Sie das Tierchen Pipi machen und schnell wieder ab in den Kennel. Nächtliche Schnüffelrunden durch Garten oder Park sind tabu!

 

Wenn sie die nächtlichen Rituale einhalten und den Welpen auch tagsüber regelmäßig alle 2-3 Stunden bzw. bei Bedarf rausbringen, sollte Ihr Tier mit etwa 12 Wochen schon gut stubenrein sein! Erfahrungsgemäß brauchen kleine Rüden dabei etwas mehr Zeit, als Hündinnen!

Da die Tiere niemals ihren Schlafplatz „beschmutzen“, wird sich Ihr Welpe stets (in der Regel auch rechtzeitig) melden, wenn er nachts raus muss.

 

Bitte bedenken Sie aber, dass die Blase des Welpen noch nicht so ausgebildet ist, dass er lange Urin halten kann. Der Schließmuskel funktioniert noch nicht perfekt! Und bitte schimpfen sie n i e m a l s mit Ihrem Welpen, wenn mal ein Malheur im Haus oder der Wohnung passiert. Entfernen Sie einfach das Häufchen, oder wischen Sie die Pfütze kommentarlos weg. Ihr Welpe stellt keinerlei Verknüpfung her, dass er etwas „Falsches“ produziert hat! Pipi-Flecken auf Teppichböden sprayen Sie bitte mit Glasreiniger nach der Reinigung ab, oder wischen Sie den Fleck mit leichtem Essigwasser ab. So wird Uringeruch getilgt und der Welpe findet nicht einen neuen „Löseplatz“ innerhalb der eigenen vier Wände.

Es wird nicht lange dauern und Ihr Hund ist zuverlässig stubenrein. Es wird aber nur dann klappen, wenn S I E lernfähig sind und Ihr Tier beobachten. Von allein lernt auch Ihr Hund nichts! Er schafft die Verknüpfung zur Reinlichkeit, indem er das menschliche Verhalten (rausbringen, wenn Welpe muss) mit der Aktion „pischi pischi“ verbindet und schnell merkt Ihr Baby dann: Pipi und Häufchen werden immer dann gemacht, wenn ich rausgebracht werde, bzw. mich bemerkbar mache!

 

Spätestens mit zuverlässiger Stubenreinheit können Sie Ihren Hund nun nachts aus dem Kennel entlassen und langsam an den dann weiteren Schlafplatz gewöhnen. Bitte lassen Sie es zu, dass sich Ihr Hund den Schlafplatz und Ort selbst aussuchen kann. Hunde haben da oft ganz andere Kriterien, als wir Menschen!

 

 

Futter und Fütterung…

 

Ein Thema für sich! Hat Ihnen Ihr Züchter Futter für die ersten Tage mitgegeben? Einen Welpen setzt man nicht „einfach mal so“ auf ein neues Futter um! Das Futter wird schrittweise gemischt und damit dann gewechselt!

 

Labradore gehören zu den schnell wachsenden, großen Rassen und in diesem schnellen Wachstum liegen zahlreiche Tücken verborgen!

 

Der Welpe wächst „äußerlich“ wesentlich schneller als „innerlich an den Knochen“. Ich rate immer dazu, ein spezielles Welpenfutter für schnell wachsende und große Rassen zu füttern. Und das über das komplette erste Lebensjahr! Wächst das Tierchen zu schnell, drohen Fehlstellungen der Knochen und Gelenke bis hin zur gefürchteten Knochenhautentzündung! Bitte informieren Sie sich gut, ausführlich und intensiv vor Einzug des Welpen zu diesem Thema! Sprechen Sie mit ihrem Tierarzt, dem Züchter und/oder versierten Hundehaltern von großen Rassen, die ebenso schnell wachsen!

 

Der Welpe sollte bis Ende des 3. Lebensmonats 4x täglich im Abstand von 4 Stunden gefüttert werden.

 

Vom 4. Lebensmonat bis zum vollendeten 6. Lebensmonat 3xtäglich (morgens-mittags-abends.

 

Ab dem 7. Monat ist dann 2-malige Fütterung angesagt: Morgens und abends.

 

Jeweils vor und nach den Fütterungen sollten Sie strikt darauf achten, dass der Hund nicht zu viel tobt. Spätere Gassigänge mit dem erwachsenen Tier erfolgen auch immer erst eine Stunde nach der Fütterung.

Laufen Sie später mit dem erwachsenen Hund schon vor dem Frühstück eine längere Runde, bitte auch danach etwa eine Stunde Ruhezeit für den Hund einhalten, ehe Sie füttern.

 

WARUM? Große Hunde leiden sehr viel häufiger an „Magendrehungen“, als kleine Hunde! Und eine Magendrehung ist für das Tier sehr schnell tödlich!

Ruhezeiten gelten auch dann, wenn Sie mit dem Hund längere Autofahrten unternehmen!

 

Ist Ihr Hund erwachsen und über ein Jahr alt (soweit man da schon von „erwachsen“ sprechen kann), können Sie auf ein „Adult-Futter“ – also ein Futter für erwachsene Hunde wechseln, welches der Bewegung Ihres Tieres, eventuellen Allergien und diversen anderen Gegebenheiten Rechnung tragen sollte. Das ist hier im Abschnitt des Welpen jedoch nicht das Thema.

 

 

Bewegung…

 

Eines der wichtigsten Themen des Welpen im ersten Lebensjahr überhaupt!

 

Ihr Welpe sollte im ersten Lebensjahr nur mit größter Sorgfalt bewegt werden! Labradore neigen zu HD/ED – also folgenschweren Erkrankungen der Hüften und Ellenbogen. Krankheiten, die Ihrem Tier nicht nur enorme Schmerzen bescheren, sondern durchaus sehr früh zu Bewegungsproblemen führen werden. Ein Hundeleben in Qual, mit Schmerzen und untypisch für den bewegungsfreudigen Labrador wartet dann. Auch wenn es mühsam erscheint: Bitte achten Sie unbedingt auf die Hinweise zur Bewegung.

 

Als Faustregel für Spaziergänge gilt die sogenannte „goldene 5-Minuten-Regel“. Pro Lebensmonat des Hundes sollte nicht mehr als 5 Minuten am Stück gelaufen werden! Also sollte ein Labradorwelpe mit 6 Monaten Alter nicht länger als 30 Minuten am Stück laufen!

 

Bewegungen im Spiel (nicht wildes Toben) sind dabei von der Regel ausgenommen, ebenso wie das normale Laufen innerhalb von Haus und Garten. Die Bewegungsabläufe sollten möglichst vielfältig sein, damit das Tier keinen Schaden nimmt. Damit ist gemeint: Bei Erkundungen z.B. des Gartens bewegt sich der Welpe unterschiedlich schnell und in den Bewegungsabläufen vielschichtig. Das ist in Ordnung! Keine Ball- und Stöckchenspiele, die in der Bewegung nach „Start-Stopp-Methodik“ verlangen. Lieber Suchspiele und Aufmerksamkeitsspiele!

Mit einem Jahr kann der Hund dann also eine Stunde lang laufen und danach kann die Laufzeit auch vorsichtig und kontinuierlich gesteigert werden!

 

Innerhalb des ersten Lebensjahres sind Treppen und Sprünge ein absolutes Tabu! Der Welpe sollte dabei lernen, niemals aus dem Auto zu springen, sondern zu warten, dass man ihn heraushebt.

Über Treppen wird der Welpe getragen! Er läuft sie nicht allein!

 

Nun wachsen Labradore doch sehr schnell und mit sechs Monaten hat man schon ein nicht nur recht großes, sondern auch ein recht schweres Tier, welches man (als Frau) kaum noch normal „tragen“ kann.

 

Die Treppengitter sperren Treppen ab, damit der Hund sie nicht selbständig hoch- und runterlaufen kann. Wenn es sich gar nicht anders einrichten lässt, belegen Sie bitte Treppenstufen (zumindest für eine Weile) mit Teppichboden, damit der Hund auf glatten Stufen nicht wegrutschen kann. Nehmen sie den Hund sanft an Halsband und kurz gehaltener Leine und führen sie ihn langsam eine Treppe rauf und runter. Bitte aber nicht unnötig oft. Schläft der Hund im 1. Stock, darf er nur zur Nacht die Treppe an der Leine vorsichtig laufen!

 

Ebenso verfahren Sie mit dem Einstieg in das Auto. Fahren Sie einen Kombi oder Geländewagen? Heben Sie das Tier solange wie möglich in das Fahrzeug. Wird der Hund größer und damit schwerer gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Eine Rampe, die der Hund lernt, langsam hoch und auch runter zu laufen, ohne zu springen

  2. Beim Einsteigen stellen sie das Tier mit den Pfoten auf den Rand des hinteren Einstiegs. Stützen sie dann mit einer Hand den Brustkorb etwas an und heben Sie mit der zweiten Hand das Hinterteil des Hundes mittels Griff zwischen die Hinterläufe so an, dass der Hund einen leichten Einstieg an. Beim Aussteigen stützen Sie den Hund unter dem Körper so ab, dass er möglichst nicht mit Schwung und dem kompletten Gewicht aus dem Auto springt.

     

    Erfahrungsgemäß lässt sich der Hund aber auch bei höherem Gewicht gut aus dem Auto heben. Dazu den linken Arm zwischen die Vorderbeine schieben und die flache Hand unter den Brustkorb legen und den rechten Arm zwischen den Hinterbeinen durchschieben und die Hand ebenso flach unter den Bauch des Hundes legen. Vorteil: Der Hund kann nicht aus den Armen gleiten, man selbst fasst sicher zu und das Gewicht des Tieres verteilt sich optimal, um es heben zu können.

     

    Angenehmer Nebeneffekt: Ihr Hund lernt auf diese Weise, dass man nicht einfach „mal eben so“ aus dem Auto springt!